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Lebenswelten im Verschwinden

 ·  Der Stamm der Dani aus Neuguinea hackt jeder verheirateten Frau jedesmal einen Finger ab, wenn ein Familienmitglied stirbt. Hat eine Frau keine Finger mehr, ist auch ihr eigenes Leben vorbei. Solchen und noch ganz anderen Sitten ist der niederländische Fotograf Luis Bisschops bei seiner Odyssee durch die Inseln Indonesiens begegnet.

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Der Stamm der Dani aus Neuguinea hackt jeder verheirateten Frau jedesmal einen Finger ab, wenn ein Familienmitglied stirbt. Hat eine Frau keine Finger mehr, ist auch ihr eigenes Leben vorbei. Solchen und noch ganz anderen Sitten ist der niederländische Fotograf Luis Bisschops bei seiner Odyssee durch die Inseln Indonesiens begegnet. Er ist ein Schatzsucher, der das kostbare Gut archaischer Lebenswelten aufspüren und mit seinen Aufnahmen festhalten will, bevor es verschwindet, weggespült von der Moderne. Allerdings treibt er sich nicht immer im Dschungel herum, sondern auch in zivilisierteren Gegenden wie Yogyakarta. Sein Stil ist eigenwillig: Er erzählt in Ich-Form, wobei man mitunter Dinge erfährt, die man gar nicht wissen wollte; die Texte sind kurz, die Überschriften groß, die Aufnahmen mit unbekümmerter Willkür zusammengestellt; manchmal quetschen sich ein halbes Dutzend Fotos auf eine Seite, einige grandios, andere belanglos. Und doch besitzt dieser Bildband eine seltsame Eindringlichkeit. Er bleibt lange im Kopf. Irgendwann weiß man endlich, warum: Er steckt so voller Leben.

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"Indonesien - das verlorene Paradies" von Luis Bisschops. Fackelträger Verlag, Köln 2005. 240 Seiten, zahlreiche Farbfotos. Gebunden, 39,95 Euro. ISBN 3-7716-4331-7.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2005, Nr. 298 / Seite R9
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