18.03.2010 · Doris Wiedemann schwärmt von ihrer bayerischen Heimat. Wandern, Rad fahren, Freunde, Familie, alles vor der Haustür. Oft genug sei sie in der Fremde gewesen, um zu wissen, wie schön die Heimat ist. "Aber ich war noch nie in China ..." Es gibt Menschen, für die ist das Grund genug, aufzubrechen, hinzufahren. Zu ...
Doris Wiedemann schwärmt von ihrer bayerischen Heimat. Wandern, Rad fahren, Freunde, Familie, alles vor der Haustür. Oft genug sei sie in der Fremde gewesen, um zu wissen, wie schön die Heimat ist. "Aber ich war noch nie in China ..." Es gibt Menschen, für die ist das Grund genug, aufzubrechen, hinzufahren. Zu diesen gehört Wiedemann, mit der kleinen Extra-Variante, dass sie auf dem Motorrad reist. Alleine. Als Frau. Afrika, Amerika, Russland, sie hat schon einige Touren hinter sich, als sie im Frühjahr 2005 wieder aufbricht, zu einer Fahrt durch Polen, die Ukraine, Kasachstan und die Mongolei. Ob sie ihr Motorrad nach China wird einführen können, ist so unklar wie die Frage, ob sie es danach wieder wird mit nach Hause nehmen können. Offensichtlich ist eine ganze Heerschar von Motorradreisenden auf diesem Globus unterwegs. Wiedemann trifft in der ukrainischen Hauptstadt eine Japanerin, die seit drei Jahren alleine reist, in der Mongolei den Amerikaner Jim, der mit einem Gespann unterwegs ist, und noch einige mehr. Vor allem aber trifft die Münchnerin immer wieder Einheimische, lässt sich auf Begegnungen ein, schläft oft in ihrem Zelt, in einem Garten, mal auf einem Sofa, mal in einem Kranwagen, oft in einer Jurte. Nach einem fröhlichen Abend am Lagerfeuer an der Wolga räsoniert sie, wie sie nur gedacht haben konnte, "Russland wäre diesmal weniger gastfreundlich, locker und humorvoll". Unaufgeregt lässt sie langwierige Grenzprozeduren über sich ergehen, überhaupt scheint ihre gute Laune unerschütterlich. Naiv ist sie nicht, aber offen den Momenten und Menschen gegenüber. Sie schafft es nach China, bleibt mehrere Monate, fährt auch nach Schanghai und Peking. Angetan haben es ihr aber die kleinen Siedlungen, die Dörfer am Straßenrand. Wiedemann erzählt Großes unspektakulär, ist im Stil nie bemüht unterhaltsam, nie zwanghaft flapsig. Und der Leser vergisst fast, dass die Autorin mit dem Motorrad unterwegs ist. Man liest sich sogar fest, wenn man nicht einmal einen Motorradführerschein hat. Denn es ist ganz einfach ein gutes Reisebuch.
bär
"Unterwegs zum roten Drachen. Mit dem Motorrad durch China" von Doris Wiedemann. Delius Klasing Verlag, Bielefeld. 2009. 240 Seiten, einige Fotos. Gebunden, 19,90 Euro.