Es ist äußerlich ein bescheidenes Büchlein, aber der Inhalt ist gewichtig. Zweiundzwanzig Wandervorschläge durch Franken werden vorgestellt, allesamt Vorwand, fränkischen Wein zu trinken. Deshalb ist es wichtig, das Einleitungskapitel mit dem Titel "Frankenwein heute" genau zu studieren, in dem mit mancherlei Vorurteilen aufgeräumt wird und man lernt, dass es inzwischen außer dem Silvaner heute eine Fülle "neuer" Rebsorten wie Scheurebe, Rieslaner oder - mit Qualitätseinschränkungen - Bacchus gibt, aus denen beachtliche Weine gekeltert werden, und dank einiger experimentierfreudiger Winzer die Weinlandschaft alles andere als eintönig ist. Durch solches Wissen durstig gemacht, kann die Wanderung beginnen, sicher geleitet durch klare Karten und Wegbeschreibungen. Beginnend am Obermain an der Grenze zu "Bier-Franken" und dann flussabwärts bis zu den klassischen Weinorten samt Abschweifungen in unbekannte Winkel, gibt es für jede Strecke - keine länger als viereinhalb Stunden - auch ausführliche Hinweise auf die Sehenswürdigkeiten. Wert aber wird auf die Einkehrmöglichkeiten gelegt, samt einer sorgfältigen Beschreibung des Angebots. Dabei stellt sich heraus, dass man sich längst nicht mehr mit Bratwurst, Presssack und Ziebalaskäs begnügen muss, sondern sich auch auf kulinarischem Gebiet in Franken einiges getan hat: durch Lammhaxe in Bärlauch-Jus im Fachwerkstädtchen Zeil etwa, Walnussstrudel in Sommerhausen oder geschmorte Rinderbacke in Tauberschwarzsoße in Lauda. Ergänzend stellen die Autoren elf Winzerbetriebe vor, die ihnen besonders zusagen.
tg
"Weinwanderungen in Franken" von Helmut Herrmann und Bernd Schulz. Heinrichs-Verlag, Bamberg 2010. 224 Seiten, zahlreichen Abbildungen. Broschiert, 12,50 Euro.