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Es wächst mein Sehnen und Verlangen

07.07.2011 ·  Dies ist kein Reisebuch wie andere. Das zeigt schon das Verzeichnis der sechzehn Autoren und Autorinnen; alle haben promoviert, die meisten sind Professor, und ihre Reisen geben sie als "Humboldts Erben" zu erkennen: Sie lehren an der Humboldt-Universität zu Berlin, und sie forschen wie Alexander ...

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Dies ist kein Reisebuch wie andere. Das zeigt schon das Verzeichnis der sechzehn Autoren und Autorinnen; alle haben promoviert, die meisten sind Professor, und ihre Reisen geben sie als "Humboldts Erben" zu erkennen: Sie lehren an der Humboldt-Universität zu Berlin, und sie forschen wie Alexander von Humboldt fernab von zu Hause, unterwegs mit mehr Komfort - aber doch ihres Lebens nicht völlig sicher. Der Ethnologe Toni Huber hat im östlichen Himalaja atavistischen Blutrausch durchaus am eigenen Leibe erfahren. Eines seiner Fotos zeigt denn auch die beiden Reiseutensilien Dolch und Diktiergerät an Landkarte und Rupien. Der große Abstand zu den anderen, den hedonistischen Verwandten unter Humboldts Erben mit ihrem All-inclusive-Lifestyle, markiert die Nähe aller Forschergruppen zu ihrem Ahnherrn und den Verbündeten im Geiste wie Forster, Nansen, Schliemann oder Heyerdahl. Die Fachdisziplinen differieren dabei wie die Ziele: Ob im Südpoleis nach kosmischen Signalen gefahndet wird, in Afghanistan usbekische Volkslieder dokumentiert, in Tansania Dinosaurierknochen und k.u.k Maggiflaschen ausgegraben oder in Tunesien Ameisenpfade auf transparenten Folien protokolliert werden: Stets gilt als Motiv, das Wissen um die Welt zu mehren. Es gibt da keine prinzipiellen Größenunterschiede, ob es die Stadtgeschichte Berlins im Koblenzer Archiv ist, der Gesang der Höhlenzikade auf Hawaii oder die Musikszene in Harlem. Gemeinsam ist den Studien eine meist vernachlässigte Voraussetzung: das Reisen. Den fachlichen Ertrag erstatten die Gelehrten nach ihrer Rückkehr ihrer Wissenschaft. Doch das anregende Buch, das Heike Zappe aus ihren Berichten und Fotos zusammengestellt hat, widmet sich dem Kondensat dieser Unternehmungen, die sonst nur Mittel zum Zweck sind. Und da zeigt sich, dass sich das individuelle Erlebnis des Reisens seit Darwin nicht entscheidend geändert hat. Die Fotos belegen, dass Stift und Notizbuch noch immer erste Wahl sind. Und wärmer geworden ist der Südpol auch noch nicht.

mbe

"Von der Lust am Unbekannten. Humboldts Erben auf Forschungsreisen", herausgegeben von Heike Zappe. Panama Verlag, Berlin 2011. 159 Seiten, mehr als 300 Abbildungen. Gebunden, 24,90 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2011, Nr. 155 / Seite R4
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