Die Walser sind ein sagenumwobenes Volk, und bis heute ist nicht einmal geklärt, weshalb sie im frühen Mittelalter ihre Siedlungen im deutschsprachigen Wallis verließen, der Region, die ihnen den Namen gab. Ihre neuen Siedlungsgebiete erstreckten sich vom schweizerischen Kanton Graubünden bis ins Allgäu, nach Liechtenstein, Norditalien und Österreich. Durch die gesamte Region soll eines Tages ein großer Walserweg führen, noch aber ist er nur zum Teil verwirklicht. Die Schweiz etwa hat im vorigen Jahr einen Walserwanderweg eröffnet, der quer durch Graubünden führt, nicht nur, aber vor allem auf den Spuren der Walser. Hervorgegangen ist er aus der Diplomarbeit der Geographin Irene Schuler, als Hilfestellung bei dem Versuch, die entlegenen Berggebiete, die von den Walsern in einer Art Binnenkolonisation landwirtschaftlich urbar gemacht wurden, durch sanften Tourismus wiederzubeleben. Schuler hat dazu auch gleich ein Buch verfasst, das mehr ist als ein Wanderführer mit den üblichen Angaben über Anreise, Höhenmeter und Verpflegungsmöglichkeiten; vielmehr kommen Historiker, Sprachwissenschaftler und Kulturforscher zu Wort, die den Alltag und die Kultur des alemannischen Volkes erläutern. Wer die Vielfalt der Walserkultur und deren Geschichte unterwegs in Graubünden entdecken will, hat dreihundert Kilometer vor sich, vom San-Bernardino-Pass über einen kurvengesegneten Weg bis zum österreichischen Brand. Die Aufteilung in neunzehn Tagesetappen ermöglicht auch kurze Einblicke in die Kultur des Bauern- und Säumervolkes, dessen Nachkommen bis heute ihren ganz eigenen Dialekt sprechen.
nbel.
"Walserweg Graubünden. In 19 Etappen vom Hinterrhein in den Rätikon". herausgegeben von Irene Schuler. Rotpunktverlag, Zürich 2010. 320 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Broschiert, 28 Euro.