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Sonntag, 19. Februar 2012
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Die Wanderung in der Unendlichkeit

10.12.2009 ·  Bei besonders weiten Landschaften wird gern der Begriff der Unermesslichkeit, mehr noch: der Unendlichkeit bemüht. Es scheint dies adäquat angesichts sich bis zum Horizont erstreckender Sanddünen oder einer spärlich bewachsenen Prärie, die sich am Horizont mit ihrem schweren Wolkendach vermählt. Dass ...

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Bei besonders weiten Landschaften wird gern der Begriff der Unermesslichkeit, mehr noch: der Unendlichkeit bemüht. Es scheint dies adäquat angesichts sich bis zum Horizont erstreckender Sanddünen oder einer spärlich bewachsenen Prärie, die sich am Horizont mit ihrem schweren Wolkendach vermählt. Dass Fotografien ebendieses Gefühl eher selten überzeugend wiedergeben, war nie ein Problem der Kameratechnik, sondern immer nur des Formats. Erst seit die Digitalisierung wandfüllende Abzüge ermöglicht, erleben wir das Moment des Erhabenen auch vor Fotografien. Der Kunstmarkt profitiert nicht unerheblich davon. Quasi im Fahrwasser dieser Eindrücke haben seit einiger Zeit nun auch Verleger die Reize der Maßlosigkeit erkannt und ringen mittlerweile im Sechs-Monats-Takt um den Titel, das größte Buch der Welt gedruckt zu haben. Als jüngster Anwärter hat sich die Edition Panorama ins Rennen gebracht. Zwar ist ihr Buch "Great Landscapes" nur geringfügig höher als gewöhnliche Fotobände, doch aufgeschlagen messen die Abbildungen unglaubliche einhundertzweiunddreißig Zentimeter: eine Dimension, die durchaus nicht jede Landschaft zu bespielen in der Lage ist. Der Fotograf Helmut Hirler fand seine Motive auf sechs Kontinenten - nur die Antarktis fehlt. Was er suchte, waren urwüchsige Regionen. Unerschlossen indes sind die allerwenigsten. Bisweilen windet sich sogar eine Straße durchs Bild, oder man sieht eine Burg, eine ganze Stadt und einmal kleine Reisegruppen. Etliche der ausgewählten Orte zählen denn auch zu den Touristenattraktionen dieser Länder; vom Perito-Moreno-Gletscher in Patagonien über den Arches National Park in Utah bis zum Hochgrat im Allgäu oder zu den Karstbergen von Guilin. Mit dem Panoramablick freilich erschließt Hirler diesen Gegenden neue Perspektiven, die der Blick buchstäblich abwandern kann. Und als sei dies nicht genug, arbeitete Hirler mit Infrarotmaterial. So wird der Himmel schwarz, während Laub und Wiesen hell erglühen, fast wie in einem Traum - und geradeso, als sei dies alles viel zu schön, um wahr zu sein.

F.L.

"Great Landscapes" von Helmut Hirler. Edition Panorama, Mannhein 2009. 168 Seiten, 65 Panoramaaufnahmen. Gebunden, 348 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2009, Nr. 287 / Seite R4
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