Neu ist das nicht, was Frans Lanting mit seinem Bildband "Leben - Eine Reise durch die Zeit" vorlegt: ein optisches Gedicht, das versucht, die Schöpfungsgeschichte mit Fotos nachzuerzählen. Von Lavaströmen und Ornamenten im Stein über Wellenkämme und dem Geblubber von Schwefelquellen bis zum Schattenriß der Echsen auf Galapagos folgt der bekannte Naturfotograf über eine lange Strecke dem Fotobuch "Die Schöpfung" von Ernst Haas, einem Klassiker aus dem Jahr 1971. Was ihn freilich vom Vorbild unterscheidet, ist der unbedingte Wille zur Perfektion. Wo sich Haas aus dem Geist der Zeit immer wieder in psychedelischer Ästhetik und religiöser Spiritualität verlor, arbeitet Lanting so präzis wie ein Forscher im Labor. Und nicht von ungefähr listet er am Ende des Buchs seitenlang Literaturhinweise auf sowie die Internetadressen zahlreicher wissenschaftlicher Einrichtungen. Ein optisches Feuerwerk ist sein Buch dennoch geworden, mit imposanten und bewegenden Bildern, die nicht nur des riesigen Buchformats wegen trunken machen. Mit der Anordnung der Fotografien gelang Lanting eine überzeugende Komposition, die dem Buch fast schon filmische Qualität gibt. - Unser Foto zeigt einen Nichollsfrosch, aufgenommen in der australischen Wüste.
F.L.
"Leben - Eine Reise duch die Zeit" von Frans Lanting. Herausgegeben von Christine Eckstrom. Taschen Verlag, Köln 2006. 304 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Großformat 29 mal 36 Zentimeter. Gebunden, 39,99 Euro. ISBN 3-8228-3991-4