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Sonntag, 19. Februar 2012
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Die Bäuerinnen in bestickten Trachten

10.12.2009 ·  Seit uns die Costa Smeralda so geläufig ist wie unseren Eltern es die Riviera war, seit also Sardinien seinen Platz im Tourismusatlas hat, gerät uns der einstige Reiz dieser ehemals abgelegenen Insel aus dem Blick. Deshalb muten uns August Sanders Fotografien an wie im Wasser gespiegelte Szenerien einer versunkenen Welt.

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Seit uns die Costa Smeralda so geläufig ist wie unseren Eltern es die Riviera war, seit also Sardinien seinen Platz im Tourismusatlas hat, gerät uns der einstige Reiz dieser ehemals abgelegenen Insel aus dem Blick. Deshalb muten uns August Sanders Fotografien an wie im Wasser gespiegelte Szenerien einer versunkenen Welt. Da ist etwa der berühmte "Turm des Elefanten" in Cagliari, heute perfekt restauriert und in das neue, herrlich aus sardischem Sandstein komponierte archäologische Museum einbezogen. Bei Sander spricht jeder bemooste mürbe Quader des wuchtigen Gebildes hingegen von Alter, sengender Sonne und salziger Luft. Nie mehr, so suggerieren diese Aufnahmen mit ihren leise verschwimmenden Konturen und dem weichen Licht, wird man die legendären dreitausendjährigen Nuraghen so sehen wie hier: verschmelzend mit der Landschaft, gegen die sich diese massigen runden Steinkolosse einst schroff abgehoben haben müssen. Dasselbe gilt für die Menschen: Bäuerinnen in bestickten Trachten, die sich sichtlich hergerichtet haben für den Fotografen und gleichermaßen scheu wie würdevoll posieren; oder der "vornehme Sarde mit Sohn" auf einem Pferd, auf dem Kopf eine bizarr geformte hohe Kappe wie aus der Antike. Natürlich muss hier schon der schwärmerische Folklorismus eine Rolle gespielt haben, aber die Kamera weiß nichts von dessen gekünstelter Naivität, sondern, so möchte man wenigstens glauben, rückt den Wesenskern ins Licht. Kirchen wie Felsen, Berge wie Kathedralen, Städte und Dörfer, deren wunderbare Proportionen wie aus Urzeiten wirken, egal, ob sie antike, romanische oder barocke Züge tragen - nach diesem Bildband wird jeder Betrachter fortan im heutigen Sardinien das vergangene suchen.

bat

"Sardinien" von August Sander. Schirmer/Mosel Verlag, München 2009. 288 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 49,80 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2009, Nr. 287 / Seite R4
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