11.02.2010 · Wer hat schon einmal von Mikova gehört, von Ojcóv, Zamosc oder Petrjalka? Fast scheint es, als seien Orte mit solchen Namen wie diesen in irgendeiner fernen Welt gelegen, aber in Wirklichkeit braucht es - mit zeitgenössischer Geschwindigkeit - keinen halben Tag, um aus der Mitte Europas bis dorthin voranzukommen, wo heute - wieder - auch noch Europa ist.
Wer hat schon einmal von Mikova gehört, von Ojcóv, Zamosc oder Petrjalka? Fast scheint es, als seien Orte mit solchen Namen wie diesen in irgendeiner fernen Welt gelegen, aber in Wirklichkeit braucht es - mit zeitgenössischer Geschwindigkeit - keinen halben Tag, um aus der Mitte Europas bis dorthin voranzukommen, wo heute - wieder - auch noch Europa ist. Allein daran zeigt sich, dass ein paar Jahrzehnte währender Kalter Krieg samt seinem Eisernen Vorhang genügte, um ganze Regionen fast völlig aus dem Bewusstsein zu löschen. Was damit hierzulande auch verlorenging, ist die Kenntnis von geistigen und politischen Zusammenhängen. Es ist deswegen ein besonderes Verdienst von Stephan Wackwitz, der lange Zeit in Krakau und Bratislava gelebt hat, dass er sich vor allem um die Restaurierung von "Beziehungen" bemüht und die zwölf Reisen seiner "Osterweiterung", die ihn unter anderem nach Pressburg, Krakau und Vilnius führen, in erster Linie der Horizonterweiterung dienen. Allerdings wären nicht so viel Bildungskoketterie mit zahllosen Zitaten und Querverweisen und etwas weniger manierierte persönliche Anmerkungen wie "Aber mein Sohn, dessen noch ungelenke vierzehnjährige Männlichkeit ich unterm Baum meiner Erinnerung an den Andric-Roman mit einer besonderen Fürsorglichkeit aus dem Augenwinkel betrachtete, war so begeistert von der Aussicht ..." gut gewesen, aber vielschichtig und vieldeutig sind die Geschichten dieses Autors auf jeden Fall.
tg
"Osterweiterung - Zwölf Reisen" von Stephan Wackwitz. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2009. 224 Seiten. Gebunden, 17,90 Euro.