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Das Wüten der Pest

26.08.2010 ·  Die Toskana ist der Deutschen liebstes Stück Italien. All die geballte Sehnsucht des Nordländers richtet sich auf die Hügel und Städte dieses Landstrichs - auch wenn dort inzwischen auch die Spaghetti recht überteuert und die Menschen äußerst routiniert im Umgang mit der Empfindsamkeit der Fremden sind.

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Die Toskana ist der Deutschen liebstes Stück Italien. All die geballte Sehnsucht des Nordländers richtet sich auf die Hügel und Städte dieses Landstrichs - auch wenn dort inzwischen auch die Spaghetti recht überteuert und die Menschen äußerst routiniert im Umgang mit der Empfindsamkeit der Fremden sind. Allein die Literatur über die Toskana ist so üppig, dass man mit den Bücherstapeln sicherlich den Schiefen Turm von Pisa nachbauen könnte. Da erstaunt es fast, dass der Unionsverlag nachlegt. Der Band "Reise in die Toskana" versammelt Texte berühmter und weniger berühmter Autoren, welche ohne große Vor- oder Nachreden einfach aneinandergereiht werden. So kann der Leser mit den berühmten Skizzen des großen französischen Italienliebhabers Stendhal über Florenz staunen, mit dem Dichter Boccaccio über das Wüten der Pest sinnieren oder sich von der Wahl-Italienerin Iris Origo in die Lebenswelt eines Kaufmanns der Frührenaissance zurückversetzen lassen. Herausgeber Manfred Görgens hat neben altbekannten Texten wie denen des erfrischend vor sich hingrantelnden Kurgastes Michel de Montaigne, der in den Thermalbädern von Lucca seinen Nierengrieß loszuwerden sucht, aber auch einige Trouvaillen zu bieten. Interessant ist der Auszug aus einem Roman von Dmitri Sergejewitsch Mereschkowski, der eine öffentliche Verbrennung von Leonardo da Vincis Gemälde der Leda mit dem Schwan in einer Atmosphäre hysterischer Religiosität imaginiert. Auch die Baugeschichte von Brunelleschis Kuppel für den Dom von Florenz, wie sie der in England lebende Autor Ross King darstellt, dürfte viele Reisende fesseln. Jedoch wirken die Texte für einen "Kompass" zuweilen ein wenig willkürlich gewählt; zumindest hätte man sich ein ordentliches Vorwort gewünscht, das dem Leser die Grundidee des Buchs darlegt. Schade auch, dass die moderne Toskana meist ausgeblendet wird und hinter dem andächtigen Staunen über vergangene Geistesgrößen zurücktreten muss.

vero

"Reise in die Toskana", herausgegeben von Manfred Görgens. Erschienen in der Reihe: "Kulturkompass fürs Handgepäck". Unionsverlag, Zürich 2010. 221 Seiten. Broschiert, 10,90 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2010, Nr. 197 / Seite R4
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