10.12.2009 · Das Porträt ist innerhalb der Tierfotografie ein rares Genre, und meist bleibt es beschränkt auf Amateuraufnahmen des eigenen Vierbeiners daheim oder Bilder, die durch die Käfiggitter Zoologischer Gärten entstanden sind. Was sie zeigen, sind Gesichter, in denen der Fotograf das Individuum sucht, wobei er zugleich jedoch nur allzu oft in die Falle der Vermenschlichung tappt.
Das Porträt ist innerhalb der Tierfotografie ein rares Genre, und meist bleibt es beschränkt auf Amateuraufnahmen des eigenen Vierbeiners daheim oder Bilder, die durch die Käfiggitter Zoologischer Gärten entstanden sind. Was sie zeigen, sind Gesichter, in denen der Fotograf das Individuum sucht, wobei er zugleich jedoch nur allzu oft in die Falle der Vermenschlichung tappt. Nick Brandts Ansprüche sind höher. Was macht das wilde Tier aus, fragt er mit seinen Schwarzweißaufnahmen und liefert die Antwort gleich mit: das Majestätische. Löwen, Elefanten und Gorillas präsentiert er im Duktus der Fotografie des neunzehnten Jahrhunderts, wie aus Stein gehauen, Denkmäler ihrer selbst, den Blick in die Ferne gerichtet, die kraftstrotzenden Körper mit provozierendem Selbstverständnis in Ruhestellung gebracht - das alles so perfekt komponiert, dass man meinen muss, der Fotograf habe den Tieren Regieanweisungen zugerufen. Das Erhabene der Landschaft hat er ungeschmälert auf die Tiere übertragen. Und doch sind Brandts Aufnahmen von einer Schönheit, die frösteln macht. Denn sein grandioses Buch ist zugleich ein Mahnruf. Längst ist der Lebensraum dieser Tiere selbst in den Nationalparks gefährdet, führen die Massai etwa ihre Zehntausende von Tieren zählenden Rinderherden zu den Wasserstellen und brauchen gnadenlos das Futter der Wildherden auf. Dann bilden die Staubfahnen ihrer Kühe Vorhänge über der Welt, die vielleicht nie wieder fortgezogen werden.
F.L.
"A shadow falls - Schatten über der Wildnis" von Nick Brandt. Mit Texten von Peter Singer und Vicky Goldberg. Knesebeck Verlag, München 2009. 132 Seiten, 58 Abbildungen. Gebunden, 60 Euro.