10.12.2009 · Im Auftrag einer Zeitschrift war Giovanni Chiaramonte 1983 nach Berlin gekommen. Zwei Gebäude sollte er damals fotografieren. Es war der Beginn eines Lebenswerks. Immer wieder reiste Chiaramonte fortan in die Stadt, dokumentierte Abriss, Aufbau und Brachflächen - nie aber Fertiges oder zumindest ...
Im Auftrag einer Zeitschrift war Giovanni Chiaramonte 1983 nach Berlin gekommen. Zwei Gebäude sollte er damals fotografieren. Es war der Beginn eines Lebenswerks. Immer wieder reiste Chiaramonte fortan in die Stadt, dokumentierte Abriss, Aufbau und Brachflächen - nie aber Fertiges oder zumindest vermeintlich Endgültiges, geradeso, als finde Berlins Geist erst im ständigen Wandel seinen vollkommenen Ausdruck. So wirken selbst die Säulen auf der Museumsinsel angeknabbert, und dem Torso im Schlosspark Glienicke fehlt die Schulter und ein Teil des Kopfes. Dann folgen die Gedächtniskirche und der Fassadenrest des Anhalter Bahnhofs. Es sind stille Bilder, leicht überbelichtet, als könnten auch diese Reste demnächst verglühen. Und doch zeugen sie in ihrer Helligkeit zugleich von Lebensfreude. Ruinen sind nicht der schlechteste Lebensraum - sagt uns der sizilianische Fotograf.
F.L.
"Berlin, die Stadt, die immer wird" von Giovanni Chiaramonte. Schirmer/Mosel Verlag, München 2009. 140 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 39,80 Euro.