23.11.2009 · Ein Blick ins Rückgrat der Wirtschaft
Familienunternehmen bedeuten Mittelstand und bilden somit das Rückgrat unserer Wirtschaftsordnung. Dies ist oft zu hören und dennoch wahr, wenngleich manche inhabergeführten Firmen durchaus namhafte Großunternehmen sind. Deren Rechts-, aber auch Finanz- und sonstigen Problemen widmet sich jetzt ein Sammelband. Begrüßenswert ist dies schon deshalb, weil sich die Fachliteratur meist im Übermaß um die doch vergleichsweise wenigen Konzerne mit Börsennotierung kümmert.
Gewidmet ist das Buch dem Stuttgarter Rechtsanwalt Brun-Hagen Hennerkes zum 70. Geburtstag, der sich nicht nur in seiner Kanzlei auf diese Spezies von Mandanten spezialisiert hat, sondern auch eine "Stiftung Familienunternehmen" gegründet hat. Herausgegeben haben es Advokatenpartner aus der eigenen Kanzlei, doch versammelt das Buch sehr unterschiedliche Autoren, die überdies wirklich einiges zu sagen haben. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ein Grußwort beigesteuert, in dem ihre Redenschreiber Hennerkes zum "Mentor der Familienunternehmen in Deutschland" küren.
Ein Altmeister des Gesellschaftsrechts, der Hochschullehrer Harm Peter Westermann, legt eine juristische Grundlage für das Thema, indem er mit großer Praxiserfahrung und in launiger Sprache die besonderen Nöte und Konflikte in solchen Betrieben beschreibt. Allzu idealistischen Vorstellungen über Unternehmen, in denen Familienstämme miteinander ringen und alternde Patriarchen nicht rechtzeitig den Absprung schaffen, erteilt Westermann eine klare Absage. "Man sollte sich nichts vormachen: Nicht selten geht es, obwohl dies dann zumeist hinter anderen Motiven verborgen wird, schlicht um einen Machtkampf", schreibt er.
Mit Eckard Cordes und H. Werner Utz schreiben zwei leibhaftige Vorstandsvorsitzende über Haniel und Uzin Utz. Der Moral wendet sich Heinz Dürr zu, der Politik Michael Glos und Peter Gauweiler, der Religion Walter Kardinal Kasper. Aber auch Finanzierung (Josef Ackermann; Friedrich von Metzler), Steuern (Wernhard Möschel; Christian Rödl) und Psychologie (Arist von Schlippe) kommen nicht zu kurz. Wobei der Beitrag des Frankfurter Privatbankiers über das gesteckte Thema weit hinausreicht: Weil dieser Autor selbst ein Familienunternehmer ist, bietet er statt Nabelschau ein ganzes Stück Wirtschaftsgeschichte - von der "Tulpenkrise" über den "Neuen Markt" bis zur fatalen "Subprimekrise".
JOACHIM JAHN