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Späher in der Datenwolke

 ·  Ein Buch über die Gefahren des Internet

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Ob Bankgeschäfte, Shopping oder Informationsbeschaffung - unsere Welt ist nahezu komplett in Bits und Bytes, in Internet und Intranets organisiert. Doch diese Systeme sind anfällig. Woche für Woche müssen Unternehmen und Regierungen gravierende Datenverluste, -diebstahl und -missbrauch eingestehen. Die Entwicklung geht jeden einzelnen Bürger an. Denn "smarte", nicht selten mit öffentlichen Computernetzwerken verbundene Hochleistungschips werden längst auch in Alltagsgegenstände eingebaut. Wer heute 25 000 Euro oder mehr für ein Auto ausgibt, erwirbt damit auch ein hochgezüchtetes Computersystem, dessen Funktionsvielfalt er höchstens erahnt.

Chips stecken in Kreditkarten, Reisepässen, Personalausweisen. Hinzu kommt: Bis vor wenigen Jahren hatten die Daten, die beim Umgang mit Computern gesammelt werden, noch einen Ort. Unternehmen, Behörden und Privatpersonen speicherten sie stets auf ihren eigenen Rechnern. Mit der neuen Ära des sogenannten "Cloud Computing", der digitalen Datenwolke, die auf Supercomputern und fußballfeldgroßen Speicherfarmen irgendwo auf der Welt zu Hause ist, lösen sich die Daten zunehmend von denen, die sie erheben.

Thomas Fischermann und Götz Hamann, beide Wirtschaftsredakteure der "Ze", warnen in ihrem Buch "Zeitbombe Internet" daher vor blindem Vertrauen in die neue vernetzte Welt. Und ihre Warnung fällt eindringlich aus: Wir riskierten unseren Wohlstand, unsere Grundrechte und die nationale Sicherheit, glauben sie. Die Entwicklung mache es auch schwerer, nationales Recht durchzusetzen. Hamann und Fischermann sprechen sich für eine EU-Richtlinie aus, die das Prinzip durchsetzt, dass die Daten auf Speicherrechnern lagern müssen, die geografisch dort stehen, wo die Menschen leben, um deren Daten es geht. Dann könne dort jeweils eine nationale Gesetzgebung greifen. Dann hätten rechtsstaatliche Regulierung und Aufsicht durch die jeweiligen Nationalstaaten eine Chance.

Das würde dazu führen, dass unterschiedliche nationale Rechtsauffassungen in der Struktur des Netzes abgebildet würden. Die Autoren halten das nicht für verwerflich. Denn so etwas habe es auf der Welt ja immer schon gegeben. Und gerade demokratische Nationen des Westens hätten ein legitimes Interesse daran, eine gewisse Souveränität des Staates über das Datennetz in ihren nationalen Grenzen zu sichern. Auch gegen eine Zerlegung des Internets in Einzelteile haben Fischermann und Hamann nichts. Im Gegenteil: Kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel Atomkraftwerke und das ganze Stromnetz, Krankenhausrechner im OP, städtische Verkehrsleitsysteme, die wir für unseren Alltag dringend brauchen, gehören nach ihrer Meinung überhaupt nicht in das öffentliche Internet.

Und wer ihr Buch liest, erfährt dabei noch ganz nebenher, wie ebendieses Internet überhaupt entstanden ist, welche Datenskandale es schon gegeben hat - und wie schwierig es werden kann, von der Bank sein Geld zurückzubekommen, wenn ein Hacker umfangreiche Abbuchungen vorgenommen hat.

CARSTEN KNOP.

Thomas Fischermann, Götz Hamann: Zeitbombe Internet.

Gütersloher Verlagshaus 2011,255 Seiten, 19,99 Euro

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2011, Nr. 212 / Seite 12
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