14.12.2009 · Baden-Württembergs Metallarbeitgeber im Porträt
Der Südwesten Deutschlands gilt als Land der Tüftler, der fleißigen Schaffer und traditionsreichen Mittelständler. Der Landstrich ist eine Hochburg der Metall- und Elektroindustrie. Nicht nur Autobauer, auch ihre Zulieferer sitzen im Ländle, hinzu kommen zahllose weitere Betriebe der Metallbranche, oft Weltmarktführer im Verborgenen. Kein Wunder also, dass immer dann, wenn Metallarbeitgeber und Gewerkschaft aufeinandertreffen, auf Baden-Württemberg geschaut wird. Stets war der Südwesten in Tarifrunden für einen Pilotabschluss gut, aber auch viele Streiks fanden in der Region statt. Das Tarifpersonal war deshalb häufig auch jenseits der Landesgrenzen bekannt.
Aus diesem Grund - und um auf 60 Jahre Metallarbeitgeberverbände zurückzublicken - hat Südwestmetall den Band "Zeitzeugen" herausgegeben. Sieben ehemalige Vorsitzende haben für die Porträts in dem Buch mit Journalisten über ihr Leben gesprochen - vom heute 94 Jahre alten Helmut Eberspächer bis zu Jan Stefan Roell, der erst in diesem Jahr den Vorsitz von Südwestmetall an seinen Nachfolger abgegeben hat.
Der Leser lernt, das Eberspächer im Zweiten Weltkrieg Jagdflieger und sein Flugzeug die Focke Wulf 190 war. Er erfährt, dass Eberspächer als Unternehmer ungeheuer einfallsreich gewesen sein muss, dass er in Tarifrunden der ruhende Pol war und die Musik von Bach liebt. Dieter Hundt, heute Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände, spricht dagegen über die Krise und darüber, dass er beim Fußball das Wegstecken und Aufstehen gelernt habe. Seinem Vorgänger bei Südwestmetall, so heißt es über Hundt, sei er aufgefallen, weil er immer den Mund aufgemacht habe.
Er selbst erinnert sich auch an schwierige Zeiten, etwa an den Tarifabschluss von 1995, für den er heftige Prügel einstecken musste. Über Otmar Zwiebelhofer, der statt Fußball Cello spielt, erfahren die Leser, dass er sich für einen Melancholiker hält - und dass er sich vor seinem Amtsantritt ausbedungen hat, trotz des neuen Verbandsjobs täglich eine Stunde Zeit zum Üben zu haben.
Man muss vielleicht ein kleines Faible für die Welt der Tarifpolitik haben, um sich durch alle Seiten des Werks zu lesen. Manches ist ein wenig lang geraten; insgesamt aber ist das Buch ein interessantes Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte.
HENRIKE ROSSBACH