Fritz Kröger/Martin Sonnenschein/Dietrich Neumann/Kerry Schmitt: Ne(x)t Economy. Mit digitalen Geschäftsmodellen zum Erfolg. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2001, 152 Seiten, 34 Euro.
Die Autoren, vier Berater aus dem Hause A. T. Kearney, rennen mit ihrer originellen Schrift offene Türen ein: Spätestens seit dem Ende der Dotcom-Blase im Jahr 2000 dürfte jedem, der sich ein wenig mit der Thematik befaßt hat, klar sein, daß die Unterscheidung zwischen alter und neuer Ökonomie sowohl obsolet als auch wenig hilfreich ist. Einerseits haben sich viele "Brick and Mortar"-Unternehmen (mit Konzentration auf Backstein und Mörtel) inzwischen zu "Click and Mortar"-Unternehmen gemausert. Sie begreifen das Internet nicht nur als weiteren Vertriebskanal, sondern als Vehikel, mit dem sie ihre Geschäftsmodelle digitalisieren - letztlich mit der Absicht, auf diese Weise mehr Umsatz zu erzielen, Kosten zu senken und ihre Marktkapitalisierung zu steigern. Andererseits haben Unternehmen, die sich noch vor gut einem Jahr gern mit dem Etikett "New Economy" dekorierten, mittlerweile erkennen müssen, daß sie ohne die traditionelle Wirtschaft nicht auskommen können - und daß ihre primäre Rolle nur darin bestehen kann, diese als Dienstleister auszurüsten und fit zu machen für den Einstieg in die "Net Economy".
Die vier Berater halten sich nicht mit langatmigen theoretischen Ausführungen auf. Vielmehr unterlegen sie ihre Analyse mit einer großen Zahl von kurzen Fallbeschreibungen aus der Praxis, in denen sowohl traditionelle Unternehmen als auch junge internetbasierte Unternehmen vorgestellt werden. Der Leser erfährt so einiges über E-Business-Strategien (die Verfasser wählen hierfür den wenig glücklichen Begriff E-Formation) von so bekannten Unternehmen wie Coca-Cola, Dow Chemical, Gehe, General Electric, General Motors, Lufthansa sowie RWE. Die Schlußfolgerungen aus den Fallbeschreibungen können dem Leser aus der Praxis helfen, den Entwicklungsstand seiner eigenen E-Business-Strategien in einer ersten Diagnose besser einzuschätzen und vergleichend einzuordnen. Checklisten und konkrete Lösungshinweise werden jedoch nicht geboten.
Die Bewertung der Geschäftsmodelle der jungen internetbasierten Unternehmen, die sich mit wechselndem Erfolg bemühen, sich als Partner der traditionellen Unternehmen unabkömmlich zu machen, erweist sich als gewagtes Unterfangen: Hier tauchen auch einige inzwischen gefallene Engel (zum Beispiel Ariba, Commerce One, Intershop, Lycos Europe) auf, von denen niemand weiß, ob und wann sie zu neuen Höhenflügen aufsteigen werden. Gerade diese aus heutiger Sicht schon fast abschreckenden Beispiele machen eines deutlich: In der von den Verfassern propagierten "Ne(x)t Economy" gibt es kein Abonnement auf dauerhaften Erfolg. Das Buch vermittelt keine völlig neuen Erkenntnisse, aber es enthält ein entschlossenes Plädoyer für eine wirtschaftlich sinnvolle Partnerschaft zwischen den etablierten Vertretern der Wirtschaft und den neuen IT-Dienstleistern. ROBERT FIETEN