11.11.2002 · Jürgen Eick: Wie man eine Volkswirtschaft ruinieren kann. Die wirtschaftspolitischen Irrtümer unserer Tage. Societäts-Verlag, Frankfurt 2002, 150 Seiten, 12,80 Euro.Das Entsetzen über die rot-grünen Wirtschaftspläne ist groß. Doch es sage in der Regierung nachher keiner, er habe es nicht gewußt: ...
Jürgen Eick: Wie man eine Volkswirtschaft ruinieren kann. Die wirtschaftspolitischen Irrtümer unserer Tage. Societäts-Verlag, Frankfurt 2002, 150 Seiten, 12,80 Euro.
Das Entsetzen über die rot-grünen Wirtschaftspläne ist groß. Doch es sage in der Regierung nachher keiner, er habe es nicht gewußt: Wie man eine Volkswirtschaft ruinieren kann, hat Jürgen Eick, früherer Herausgeber dieser Zeitung, schon 1974 in einem schmalen Band in pointierter Form zusammengetragen. Sein Befund läßt sich mühelos auf die Gegenwart übertragen: "Die wirtschaftliche Vernunft regiert nicht mehr in unserem Lande. An der Macht sind Ideologie, realitätsfremde Weltbeglückung, Gruppen-Egoismus, Koalitions-Arithmetik, politisches Taktieren und Lavieren, das aus angeblichen politischen Zwängen resultiert." Es sei bedauerlich, daß das ordnungspolitische Denken "so weithin verlorengegangen" sei. Um so mehr bestehe die "erste wirtschaftspolitische Bürgerpflicht" darin, "offensichtliche Fehlentwicklungen zu erkennen und sich ihnen entgegenzustellen". Denn: "Aus Mißerfolgen kann man lernen." Allein an der Lernbereitschaft scheint es zu mangeln, zumindest in Politikerkreisen. Wer sich nicht scheut, sich dies vor Augen zu führen, dem sei die Neuauflage des Eickschen Buchs empfohlen. "Vieles von dem, was Eick vorausgeahnt hat, ist eingetreten, und die Probleme, die er in seinem Buch benennt, sind eben nicht gelöst, sondern drängender geworden", schreibt Stephan Hörmann in seinem ebenfalls höchst lesenswerten, den aktuellen Bezug herstellenden Vorwort. Eick listet zwölf so gängige wie fatale wirtschaftspolitische Irrtümer auf - darunter jenen, zu glauben, Sachkunde sei in der Politik nicht erforderlich, Inflation sei eine "läßliche Sünde", das Tarifkartell sei unschädlich, die "Halbsozialisierung" der Unternehmen durch die paritätische Mitbestimmung beeinträchtige die Effizienz der Wirtschaft nicht ganz erheblich, und man könne die Unternehmen mit Steuern und sozialpolitischen Aufwendungen ungestraft immer stärker belasten. All das ist bekannt. Bloß niemand richtet sich danach.
KAREN HORN