Norbert Berthold/Rainer Fehn/Sascha von Berchem: Innovative Beschäftigungspolitik - Wege aus der Strukturkrise. Herbert-Quandt-Stiftung, Bad Homburg 2001, 208 Seiten, 15 DM.
Spätestens seit dem Vorstoß des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) ist die Sozialhilfe wieder ins Gerede gekommen: als Hemmnis für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. In einer lesenswerten, klar formulierten - und äußerst erschwinglichen - Studie für die Herbert-Quandt-Stiftung prangern der Würzburger Ökonom Norbert Berthold und seine Mitarbeiter vor allem den geringen Abstand zwischen Sozialhilfe und Lohn sowie die übermäßige Anrechnung zusätzlichen Einkommens auf die Sozialhilfe (Transferentzug) an. Beide Fehlanreize schadeten vor allem den Arbeitssuchenden mit geringer Qualifikation, der notwendige Niedriglohnsektor fehle. "Prinzipiell arbeitswilligen Sozialhilfeempfängern werden so gut wie keine Anreize geboten, ihren Arbeitseinsatz zu steigern. Sie werden vielmehr in einer regelrechten Armutsfalle gefangengehalten", schreibt Berthold. Sein Rezept: Zunächst sollte das Niveau der Sozialhilfe für arbeitsfähige Transferempfänger gesenkt werden. Die Transferentzugsrate müßte drastisch sinken. Für begrenzte Zeit sollte nur die Hälfte des Zuverdienstes auf die Sozialhilfe angerechnet werden. Über die wahren Chancen insbesondere von Langzeitarbeitslosen, mit ihrem von der Zeit entwerteten Humankapital auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren, macht sich der Ökonom dennoch keine Illusionen. Ihnen müsse geholfen werden, sich für Arbeitgeber attraktiv zu machen. Berthold wirbt für eine spezifische Subvention, gekleidet in "Beschäftigungs- und Qualifizierungsschecks". Die Idee: Sozialhilfeempfänger erhalten nach 12 Monaten Arbeitslosigkeit neben der Sozialhilfe einen Scheck, den sie bei Anstellung an den Arbeitgeber weitergeben, der diesen einlösen darf. Der Wert der Schecks nimmt mit andauernder Arbeitslosigkeit zu. Daß auch mit einer solchen Subvention Fehlanreize entstehen, ist Berthold wohl klar.
KAREN HORN