21.12.2009 · Eine Streitschrift gegen unsere institutionalisierte Nächstenliebe
Carlos Gebauer ist ein (nicht zuletzt aus dem Fernsehen bekannter) Rechtsanwalt, seit Jahren Experte für das Gesundheitswesen und ein wortgewaltiger Liberaler von echtem Schrot und Korn. In seinem neuen Buch nimmt sich Gebauer das deutsche Gesundheitswesen vor, das für ihn das Musterbeispiel einer außer Kontrolle geratenen staatsbürokratischen Einrichtung darstellt. Dieses Monstrum ist nach seiner Sicht nicht nur ökonomisch ineffizient, juristisch fragwürdig und politisch unverantwortlich - vor allem aber entmündigt es das Individuum, den Bürger, sei es als Finanzier der Veranstaltung oder als Konsument, sprich als Patient.
Mag man die Vergleiche mit der untergegangenen DDR oder der Sowjetunion Lenins auch für überzogen betrachten, so schildert Gebauer die Unzulänglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems auf eindringliche und engagierte Weise, die vom Leser keine juristischen Vorkenntnisse verlangt, sondern nur die Bereitschaft, sich auf eine liberale Analyse und Interpretation einzulassen. Der eindrücklichste und vernichtendste Satz über das deutsche Gesundheitswesen findet sich am Schluss: "Wer Nächstenliebe institutionalisiert, der tötet sie."
Gebauer beschränkt sich aber nicht nur auf die Analyse und Anklage des Bestehenden, er verbreitet auch Hoffnung: Dieses System lässt sich überwinden. Dazu bedürfte es freilich einer gänzlich anderen Politik.
gb.