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Matrix des Kapitalismus

23.11.2009 ·  Michael Best schlägt Reformen vor, aber keine Revolution

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"Reloaded" sagt man im neudeutschen Sprachgebrauch, wenn man etwas neu starten will, ein Programm neu lädt. Und was haben wir nicht schon alles neu geladen: die gespenstische Matrix, die Comedy-Sendung "Switch", sogar von der Achtziger-Jahre-Plage Modern Talking gibt es einen Reload. Und jetzt, jetzt machen wir auch einen Reload, einen Neustart vom Kapitalismus.

Dabei hat die Vorstellung eines Neustarts so etwas Befreiendes, ähnlich wie beim heimischen Personalcomputer: Wenn gar nichts mehr geht, zieht man den Stecker und fährt den Rechner neu hoch. Man "reloaded" eben. Braucht der Kapitalismus einen Neustart, ein reinigendes Purgatorium? Der Fernsehjournalist Michael Best nennt zwar sein Buch so, doch seine Änderungswünsche am marktwirtschaftlichen System sprechen eher für einen laufenden Reparaturbetrieb, den dynamische Systeme stets benötigen. Man könne auch von einer laufenden Anpassung und einem ständigen Wartungsbetrieb sprechen.

Bests Forderungen klingen moderater, als es der Titel des Buches vermuten lässt: Nachhaltiges Wachstum stärken, eine gerechtere Verteilung anstreben, keine Abkehr von der Globalisierung, Vermögensbildung fördern, mehr Einfluss für Aktionäre, mehr Maß halten und weniger Egoismus - nichts, wovor man auch als Marktwirtschaftler Angst haben müsste. Allein auf die Dosierung wird es beim laufenden Reparaturbetrieb ankommen, damit aus dem "Reload" nicht ein "Overload", ein Überladen, wird.

Dieses Überladen will auch Best nicht, wie er selbst schreibt: "Weil Freiheit unteilbar ist und auf der Achtung der Menschenwürde beruht, verbindet sich die Freiheit der Märkte in idealer Weise mit der bürgerlichen und politischen Freiheit", schreibt er. Dieser Satz benötigt mit Sicherheit keinen "Reload".

HANNO BECK

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2009, Nr. 272 / Seite 12
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