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Gute Nachrichten auf Radio Afrika

15.03.2010 ·  Eine neue Studie widerspricht den Pessimisten: Die Armut in Afrika sinkt viel schneller als gedacht

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Nur Betrübliches hört man jenseits von Afrika über Afrika: "I'm hearing only bad news from Radio Africa / I'm hearing only sad news from Radio Africa." Im Jahr 1985, als die britische Popband Latin Quarter dieses Klagelied sang, entsprach dies der wirtschaftlichen Realität. Die Überzeugung, Afrika sei vom Wirtschaftswachstum der restlichen Welt abgekoppelt, ist weit verbreitet. Sie hält aber einer empirischen Untersuchung kaum stand: Die Armut in Afrika sinke seit 15 Jahren ganz erheblich, betonen die renommierten Wachstumsforscher Xavier Sala-i-Martin (Columbia-Universität) und Maxim Pinkovskiy (Cambridge).

"Afrika verringert seine Armut viel schneller, als wir dachten", heißt es in der Studie, die Daten der Jahre 1970 bis 2006 analysiert. 1985, als das traurige "Radio Africa" spielte, mussten noch 42 Prozent der Menschen auf dem Schwarzen Kontinent mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Erst 1995 setzte eine deutliche Wende ein. Seitdem falle auch südlich der Sahara der Anteil der absolut Armen mit weniger als einem Dollar (in Kaufkraft von 1985). Im Jahr 2006 betrug er rund ein Drittel auf 32 Prozent. Das afrikanische Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt stieg trotz des hohen Bevölkerungswachstums um etwa 20 Prozent.

Relativ gute Nachrichten gibt es etwa aus Äthiopien. Der Anteil extrem Armer fiel dort von 80 auf weniger als 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dagegen nahm die Armut anderswo zu, vor allem in Kongo, das einen langen Krieg durchmachte. Die Zahlen für ganz Afrika legen trotzdem nahe, dass das von den Vereinten Nationen anvisierte "Millennium Goal" erreicht werden könne, meinen die beiden Ökonomen. Das "Jahrtausendziel" verspricht, die Anzahl der Menschen, die weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung haben, bis 2015 in Afrika auf weniger als 21 Prozent der Bevölkerung zu verringern. Während die Vereinten Nationen selbst kürzlich berichteten, die Armutsbekämpfung südlich der Sahara mache wenig Fortschritte, sagen Sala-i-Martin und Pinkovskiy, das ambitionierte Ziel könne bis 2017 erreicht werden - nur zwei Jahre später als angestrebt.

Viele weitere Befunde der Studie weichen vom alten Klagelied ab: Wachstum und Armutsrückgang gebe es in vergleichbarem Maß in jenen afrikanischen Ländern mit mehr und weniger Rohstoffen, in großen und kleinen Ländern sowie in einstigen Kolonien wie in Ländern ohne solche Vergangenheit. Die Einkommensverteilung werde seit Mitte der neunziger Jahre wieder flacher, zeigen die Ökonomen mit einer für bloße Gelegenheitskonsumenten ökonometrischer Forschungspapiere kaum nachvollziehbaren statistischen Kunstfertigkeit.

Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu pessimistischen Sichtweisen wie der des Oxford-Ökonomen Paul Collier. Dieser betrachtet Afrika als vom globalen Wachstum ziemlich abgekoppelt. Er rechnet den Kontinent weitgehend zur "untersten Milliarde", die in Armut verharre. Methodisch fragwürdig ist in der Studie von Sala-i-Martin und Pinkovskiy ein Abschnitt, der den Zusammenhang zwischen Krieg, Frieden und Armut untersucht. Länder, die im Jahr 1997 einen Bürgerkrieg erfuhren, werden pauschal für alle 36 Untersuchungsjahre als "Kriegsland" eingestuft, die anderen als "Friedensland". Das führt dazu, dass etwa Moçambique in der Analyse als Friedensland zählt, obwohl dort lange Bürgerkrieg herrschte. Das könnte zu dem paradoxen Ergebnis beigetragen haben, dass Kriegsländer 1970 gleichmäßiger verteilte Einkommen hatten als Friedensländer. Die anderen Ergebnisse, die Hoffnung für Afrika wecken, dürften in der Realität gründen.

JAN GROSSARTH.

Xavier Sala-i-Martin, Maxim Pinkovskiy: African Poverty is Falling ... Much Faster than You Think!, NBER Working Paper Nr. 15775, März 2010

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2010, Nr. 62 / Seite 10
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