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Freitag, 17. Februar 2012
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Großes Werk mit Lücken

02.06.2009 ·  Lexikon der 1000 wichtigsten Familienunternehmen

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Mehr als 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind in Familienbesitz. Diese Familiengesellschaften entwickeln drei Viertel aller angemeldeten Patente, stellen 60 Prozent aller Arbeits- und sogar 80 Prozent aller Ausbildungsplätze. In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sind sie durch ihr Bemühen, die Mitarbeiter möglichst lange zu halten, ein stabilisierendes Element. Gründe genug, sich den Familienunternehmen zu widmen, die trotz aller Sonntagsreden immer im Schatten der großen Publikumsgesellschaften stehen.

Um die Familienunternehmen aus diesem Schatten in das Licht der Öffentlichkeit zu ziehen, haben sich der Verleger und Herausgeber Florian Langenscheidt und seine Redaktion einer großen Fleißarbeit unterzogen. Das Ergebnis kann sich nicht nur sehen lassen, es ist ein wichtiges, ein interessantes und ein schönes Buch herausgekommen. Es wird weder gemahnt noch geklagt, es wird einfach erzählt, was in diesem Land an unternehmerischem Geist vorhanden ist - über alle Branchen, Regionen und Größenordnungen hinweg.

Das älteste vorgestellte Familienunternehmen ist die 1331 gegründete Hofpfisterei, das jüngste das 2006 gegründete Dienstleistungsunternehmen Kühle aus Münster. Dass aus den neuen Bundesländern relativ wenige Unternehmen vertreten sind, ist nicht den Herausgebern anzulasten, sondern zeigt, dass hier immer noch Nachholbedarf besteht. Umso erfreulicher sind die aufgenommenen Unternehmen aus dem Osten von Blütner (Klaviere), Keunecke (Feinkost) oder Sarrasani (Zirkus) bis hin zu Kahla (Porzellan) oder Fliegl (Fahrzeugbau).

Eine wirkliche Lücke des Buches sind jene Unternehmen, die nicht erwähnt werden wollten oder vielleicht auch vergessen worden sind. Es fehlen die Brüder Albrecht (Aldi-Discount), die nach wie vor die Öffentlichkeit scheuen, aber auch die Unternehmen Schockemöhle (einer der weltgrößten Pferdezuchtbetriebe), Big Dutchman (globaler Stalleinrichter), Simba-Dickie (führender europäischer Spielwarenhersteller), die Schäfer-Werke aus dem Siegerland (Lager- und Logistikzubehör), der Deutsche Fachverlag als führendes Unternehmen seiner Branche oder Eckes-Granini als ein wichtiger europäischer Fruchtsafterzeuger. Diese Lücken schränken die Aussage der Herausgeber ein, dass hier die wichtigsten Familienunternehmen dargestellt seien.

Wer aber weiß, wie verschwiegen Familienunternehmen in der Vergangenheit waren, wird erfreut die gestiegene Bereitschaft zur Kenntnis nehmen, sich und seine Leistung öffentlich zu zeigen. Mancher wird überrascht sein, welch bedeutendes Familienunternehmen in seiner unmittelbaren Nähe seinen Sitz hat. Das Buch bietet einen alphabetischen, aber auch einen postleitzahlenorientierten oder gar einen am Gründungsjahr ausgerichteten Zugang zu eintausend deutschen Familienunternehmen.

Es wird kurz deren Geschichte beschrieben, vor allem aber ihr Geschäftszweck vorgestellt. Eine gute Idee der Redaktion war es, neben der wirtschaftlichen Bedeutung - in diesem Buch sind viele Weltmarktführer - vor allem das gesellschaftliche Engagement der Unternehmer und ihrer Unternehmen besonders herauszustellen. Es zeigt, dass gerade Unternehmer um ihre Pflichten und ihre Verantwortung für Unternehmen, Mitarbeiter und Gesellschaft wissen. Es zeigt aber auch, wie trist manche Region ohne ihre Familienunternehmer und deren gesellschaftliches Engagement aussehen würde.

Es wäre falsch, familiengeführte Unternehmen per se als den Publikumsgesellschaften überlegen darzustellen. Gerade die Fälle Schaeffler und Porsche zeigen, dass auch familiengeführte Unternehmen sich dem Sog zur Größe um jeden Preis nicht immer entziehen können. Aber das Lexikon ist auch ein Beleg dafür, dass viele Familiengesellschaften doch risikoscheuer agieren und damit relativ krisenfest sind.

GEORG GIERSBERG

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2009, Nr. 125 / Seite 12
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