Home
http://www.faz.net/-gr8-12yo8
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Freitag, 17. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Erhard und Keynes

02.06.2009 ·  Peter Bofinger will Staat und Markt wieder versöhnen

Artikel Lesermeinungen (0)

Peter Bofinger arbeitet an seinem Image: Früher war er stolz darauf, einer der wenigen Keynesianer in Deutschland zu sein. Heute hat er sicher nichts dagegen, wenn ihn die Zeitschrift "The International Economy", wie auf dem Buchrücken zu lesen ist, als neuen "Star-Ökonom in der Tradition Ludwig Erhards" bezeichnet. Dass das eine mit dem anderen zusammenpasst, ist ein wichtiges Anliegen seines neuen Buches, zu dem die aktuelle Krise nicht viel mehr als ein Aufhänger ist, und ihre Schilderung nimmt mit rund 65 Seiten daher auch nur einen übersichtlichen Teil in Anspruch.

Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrats und Professor an der Universität Würzburg, präsentiert eine Botschaft, die er schon lange vertritt: In Deutschland sind seit langem die Koordinaten, die das Verhältnis von Markt und Staat kennzeichnen, verrückt. Bofinger postuliert, dass die Wirtschaftspolitik der Vergangenheit die Kontrolle über die Märkte preisgegeben habe, worunter nun das Gemeinwesen leiden müsse. Immer mehr Bürger stellten daher sowohl die Marktwirtschaft als auch die Demokratie in Frage. Bofingers These, wonach sich ein Marktradikalismus besonders in Deutschland ausgetobt habe, dürfte viele Liberale erstaunen, die mit Blick auf Staatsquoten und Regulierungen die Regierungszentrale nicht unbedingt auf dem Mont Pèlerin verorten würden.

Der Ökonom fordert ein "Ende des Prozesses der Entstaatlichung" und "ausreichende Handlungskompetenzen" für den Staat, um die wirtschaftliche Dynamik wiederzugewinnen und die Menschen mit Demokratie und Marktwirtschaft wieder zu versöhnen.

gb.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2009, Nr. 125 / Seite 12
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen