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Die fleißigen Kopierer

26.07.2010 ·  Ein Blick auf Chinas Produktpiraten

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Unternehmertum ist Mühsal: Forschung und Entwicklung, Qualitätskontrolle, Vermarktung - Chinas Piraten sparen sich das: Sie fälschen die erfolgreichsten Produkte und vertreiben sie auf einem Markt, der dank Werbung durch die Originalhersteller bereits in Kauflaune ist. In ihrem Buch analysieren der Jurist Rainer Erd und der Betriebswirt Michael Rebstock Ursachen und Wirkung dieses Treibens.

Das Buch basiert auf Quellenanalyse und Experteninterviews und baut damit auf der bestehenden Empirie auf. Dadurch eignet es sich zwar nur bedingt für die Wissenschaft, doch Entscheider im Reich der Mitte finden auf den knapp 200 Seiten einen umfassenden Überblick und können sich durch die zahlreichen Fußnoten gegebenenfalls leicht in Details vertiefen.

Die Beschreibung der undurchsichtigen chinesischen Justiz überzeugt durch Details: Verletzer geistigen Eigentums müssen sich etwa manchmal öffentlich entschuldigen, wie die Kaffeekette Xingbake beim amerikanischen Vorbild Starbucks. Immer wieder verdeutlichen die Autoren, dass das Urheber- und Markenrecht im Zensurland China ein Politikum und keine reine Privatangelegenheit ist.

Zu den zahlreichen Ratschlägen an Unternehmen gehört Aufklärungsarbeit in den Medien und der Austausch "schwarzer Listen" mit Namen der Piraten. Betriebswirtschaftlich könnte man den Fälschern durch - freilich kostspielige - kurze Innovationszyklen vorauseilen, Auslagerung von Abteilungen sollten Unternehmen vermeiden, wollen sie den ungewollten Abfluss von Know-how unterbinden. Manchmal helfe der Tabubruch, etwa von DIN-Normen abzuweichen, um Produktpiraten in die Irre zu führen.

Am Ende wagen die beiden Professoren auch eine ökonomische These: Der zunehmende Wohlstand in der Volksrepublik werde die Nachfrage nach Piratenramsch irgendwann ersticken. Die weitere Erhöhung der Produktionskosten, genauer: arbeitnehmerfreundlichere Konditionen, würden Originalhersteller im Land halten und der Regierung das Vorgehen gegen Produktfälscher erleichtern.

HENDRIK WIEDUWILT

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2010, Nr. 170 / Seite 12
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