Dem britischen Ökonomen David Ricardo wird der Satz zugeschrieben, dass ein Banker erst dann ein Banker sei, sobald er das Geld anderer Leute verwalte. Solange er nur eigenes Geld verwalte, sei er "nur" ein Kapitalist. Spätestens mit dem Beginn der jüngsten Finanzkrise ist das Bankgewerbe wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit getreten, und die Frage welche Rolle den Banken bei die Entstehung der Krise zukommt, wird immer noch kontrovers diskutiert.
Es ist eine alte Fragestellung, wie der amerikanische Ökonom Richard S. Grossman (Wesleyan University) in seinem flott geschriebenen Buch immer wieder zeigt. Der Untertitel verspricht eine Geschichte über die "Evolution des Bankgeschäfts in der industrialisierten Welt seit 1800", aber tatsächlich beginnt Grossman im antiken Babylon unter Hammurabi, und er arbeitet sich über die Entstehung des modernen Bankwesens im Mittelalter in Italien in die Neuzeit vor. Besonders ausführlich behandelt Grossman die Entwicklung des Bankwesens in einigen europäischen Ländern, in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Japan und in Australien, ohne den Anspruch zu erheben, eine Enzyklopädie geschrieben zu haben.
Auf die alte Frage, ob das Bankwesen eher die wirtschaftliche Entwicklung befördert hat oder die wirtschaftliche Entwicklung das Bankwesen, findet auch Grossman keine eindeutige Antwort. Sie fällt je nach Region unterschiedlich aus. Unzweifelhaft bleibt aber, dass die Entwicklung des Bankwesens nicht nur eine Geschichte beeindruckender Erfolge und Gewinne ist, sondern von Beginn an auch eine Geschichte der Krisen. Grossman unterscheidet drei wesentliche Ursachen für diese Krisen: gesamtwirtschaftliche Fluktuationen ("boom and bust"), Verunsicherung der Menschen über die Sicherheit ihrer Einlagen und institutionell schwach aufgestellte Banksysteme. Heute ist es nicht anders.
gb.
Richard S. Grossman: Unsettled Account.
Princeton University Press, Princeton 2010, 400 Seiten, 37,50 Dollar