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Sonntag, 19. Februar 2012
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Ausgeruhter Liberalismus

14.12.2009 ·  Die Finanzkrise hat nun auch das Ordo-Jahrbuch erreicht

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Das Ordo-Jahrbuch, dessen Band 60 nunmehr vorliegt, bildet die sichtbare Verbindung zwischen der Zeit Walter Euckens und der Gegenwart - eine Art papierne Manifestation des deutschen Ordoliberalismus, der sich im Wettbewerb der ökonomischen Schulen und Methodologien seit langem in der Defensive befindet.

Der 642 Seiten starke, mittlerweile doch recht teuer gewordene Band besteht aus 21 Aufsätzen sowie rund 100 Seiten Buchbesprechungen. Die Aufsätze lassen sich drei Themengebieten zuordnen. Das Buch beginnt mit Beiträgen zur Gesellschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, darunter auch den für das Ordo-Jahrbuch üblichen und gewöhnlich sehr gelungenen dogmengeschichtlichen Abhandlungen. In diesem Jahr betreffen sie Walter Eucken und Alexander Rüstow.

Neun Aufsätze behandeln die Finanzkrise aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Hier reicht die Themenpalette von der typisch ordnungsökonomischen Frage "Marktversagen oder Staatsversagen?" bis zum betriebwirtschaftlichen Aspekt der Bilanzierung von Banken. Insgesamt bestätigen die Beiträge zur Finanzkrise das Bild der deutschen Ordnungsökonomik bei Außenstehenden: Die von ihr gepflegte institutionalistische Betrachtungsweise ist wichtig und wird international häufig unterschätzt. Aber rein ordnungsökonomischen Analysen wohnt auch die Gefahr inne, nicht tief genug zu graben; gelegentlich drohen Werturteile einen Autor zu übermannen, und nicht jedes gelehrte Hayek-Zitat ersetzt einen präzisen Blick auf das Geschehen an den Finanzmärkten sowie die Kenntnis der relevanten angelsächsischen Literatur zur Krise.

Den dritten Teil des Jahrbuchs bilden vier Beiträge zur Armutsbekämpfung. Den eigentlichen Höhepunkt findet der Leser am Schluss: einen Aufsatz von Thomas Schelling über ökonomische Vernunft und politische Ethik, der aus den frühen achtziger Jahren stammt, aber nichts von seiner Bedeutung eingebüßt hat. Wertvoll sind die zahlreichen Buchbesprechungen, allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Rezensionen von Tagungsbänden mögen zwar löblich sein, aber gelesen werden Tagungsbände nach aller Erfahrung kaum. Alles in allem bietet das Ordo-Jahrbuch wieder viel Lesestoff - bis zum nächsten Band.

GERALD BRAUNBERGER

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2009, Nr. 290 / Seite 12
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