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Zum Einklang von Wissen und Bildung

29.10.2009 ·  Sammelbände mit Vorträgen zu Jubiläumsveranstaltungen erfüllen meist nur dokumentarische Funktion, ein Lesevergnügen sind sie nicht. Das gilt jedoch nicht für das schmale Bändchen "Wissenswelten - Bildungswelten", das Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke im Auftrag der Göttinger Akademie zum 300. Geburtstag Albrecht von Hallers herausgegeben haben.

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Sammelbände mit Vorträgen zu Jubiläumsveranstaltungen erfüllen meist nur dokumentarische Funktion, ein Lesevergnügen sind sie nicht. Das gilt jedoch nicht für das schmale Bändchen "Wissenswelten - Bildungswelten", das Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke im Auftrag der Göttinger Akademie zum 300. Geburtstag Albrecht von Hallers herausgegeben haben. Haller hatte 1751 die "Königliche Societät", heute Akademie genannt, gegründet und damit die Lehruniversität mit einer Forschungseinrichtung flankiert.

Unter der Leitfrage, wie aus Wissensgewinn Bildung wird und inwiefern Bildung zur Wissensvermehrung beiträgt, bietet der Band im ersten Teil historische Zugänge wie Wolfgang Frühwalds luzide Darstellung gelehrter Bildung heute oder Uwe Diederichsens Blick auf die Geschichte der Eliten und das Zusammenspiel von Wissenschaftsverwaltung und Universitäten. Im zweiten Teil finden sich Peter Graf Kielmanseggs glänzender Aufsatz über die künftige Aufgabe der Akademien der Wissenschaft sowie die Warnung des Schweizer Biochemikers Gottfried Schatz vor einer Verschlimmerung der europäischen Wissenschaftskrise. Auch diese möchte man einigen Wissenschaftsministern zur Lektüre empfehlen.

Die Gründe für die Krise sieht Schatz darin, dass Europäer Wissenschaft nicht als Teil ihrer Kultur akzeptierten und die Naturwissenschaft zur bloßen Handlangerin von schnödem Kommerz und geistloser Technologie herabwürdigten. Die Wissenschaftskrise entspringe letztlich Europas Weigerung, die intuitive Natur wissenschaftlicher Forschung und die Verletzlichkeit menschlicher Schöpferkraft anzuerkennen. Innovative Wissenschaft missachte Dogmen und verunsichere, deshalb werde sie von totalitären Staaten meist unterdrückt - genauso wie innovative Kunst. Die europäische Wissenschaftsbürokratie betrachtet Schatz als Potemkinsches Dorf. Und das geplante European Institute of Technology sei eine Schreibtisch-Missgeburt; es solle ein "Netzwerk" von 25 Eliteeinrichtungen gründen, die politisch korrekt über die EU-Mitgliedstaaten verteilt sind, um amerikanischen Einrichtungen Paroli zu bieten - ein aussichtsloser Versuch! Und eine anregende Lektüre.

oll.

Wissenswelten - Bildungswelten, hg. von Norbert Elsner und Nicolaas A. Rupke, 143 Seiten, 119 Abb., Wallstein Verlag, Göttingen 2009, 14,00 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2009, Nr. 251 / Seite 8
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