Die Reise von Sylke Tempel "durch ein altes neues Land" ist ein besonders gelungener Versuch, die verschlungene Geschichte und Geisteslage der israelischen Nation zu erklären. Sie schreibt aus deutscher Sicht, und so erscheinen die "Jeckes", jene aus Deutschland stammenden Israelis, fast als ein Schlüssel für Israel. Dabei ist ihr Einfluss auf das heutige Israel gering, während Amerikaner, Russen und die orientalisch geprägte Mehrheit das Sagen haben. Tatsächlich erklären sich viele Hasensprünge israelischer Politik dadurch, dass die europäisch aufgebaute Demokratie in einer anderen Geschichtsentwicklung zu Hause ist als die sephardisch oder russisch geprägte Mehrheit. Intensiv beschreibt Frau Tempel das Auseinanderdriften der ideologisch religiösen Israelis in Jerusalem und in "Judäa und Samaria" gegenüber der Mehrheit zwischen Tel Aviv und Haifa. Wenn man dem Buch etwas vorwerfen könnte, dann vielleicht die unkritische Rezeption der Bibel. Es zeichnet den Zug des "Volkes Israel" als historische Wahrheit nach und lässt es weiterhin ein Jericho erobern, das in der entsprechenden Bronzezeit schon ein Schutthaufen war. Der Ausgräber Jadin veröffentlichte nie seinen Abschlussbericht, ließ vielmehr die Schweineknochen verschwinden, die neben 2000 Jahre alten Menschenknochen gefunden wurden, die Israel seinerzeit in einem Staatsbegräbnis als die der Anführer feierlich beerdigte. Die frommen Juden hätten gewiss Schwein als Grabbeilage verachtet. Israel bestattete wohl die Knochen römischer Wachsoldaten. (Sylke Tempel: Israel. Reise durch ein altes neues Land. Rowohlt Verlag, Berlin 2008. 253 S., 19,90 [Euro].)
JÖRG BREMER