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Unerwünscht und ausgegrenzt

14.12.2009 ·  Sudetendeutsche als Gegner des Nationalsozialismus

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Der Blick wird gelenkt auf eine wenig beachtete Opfergruppe des Zweiten Weltkriegs: Sudetendeutsche, die, obgleich sie zwischen 1938 und 1945 gegenüber der von Hitler zerschlagenen Tschechoslowakischen Republik loyal blieben und teilweise zur Emigration gezwungen waren, dennoch nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat (endgültig) verlassen mussten. Der tschechische Ministerpräsident Jirí Paroubek hatte dieses Unrecht am 24. August 2005 öffentlich bedauert und den schätzungsweise 130000 Betroffenen, überwiegend Kommunisten und Sozialdemokraten, aber auch aktivistisch gesinnte Bürgerliche, in einer Regierungserklärung "tiefe Anerkennung" ausgesprochen. Der Band, hervorgegangen aus einem von der tschechischen Regierung initiierten Projekt zur Dokumentation des Schicksals deutscher NS-Gegner und gefördert durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, die Robert-Bosch-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung, versammelt 15 Porträts, die aus knapp 100 Interviews ausgewählt beziehungsweise zusammengestellt wurden.

Theoretisch hätten die anerkannten "Antifaschisten" nach 1945 in der Tschechoslowakei bleiben können, doch wählten diese scheinbare Alternative, die die Bereitschaft zur weitgehenden Assimilierung voraussetzte, nur wenige tausend Betroffene: "Wir wären wieder so ausgegrenzt wie während des Krieges, nur jetzt als Deutsche. Unsere ganzen Bemühungen aus der Vorkriegszeit, das alles war vergeblich", resümiert bitter etwa Maria Halke, Tochter von Otto Halke, Parlamentsabgeordneter für den deutschen Bund der Landwirte in der Zwischenkriegszeit. Die Autoren verzichten überwiegend auf eine Kommentierung der Zeitzeugenaussagen, lediglich wenig bekannte Akteure oder Fakten werden knapp erläutert. Insofern bleiben auch die vielfältigen biographischen Brüche der vorgestellten Personen im Raum stehen. Diese werden vor allem bei denjenigen deutlich, die nach 1945 in der SBZ/DDR eine sinnstiftende "sozialistische Alternative" sahen und die Zäsur 1989/90 deshalb als zweite Niederlage begriffen.

Besonders eindrucksvoll in diesem Zusammenhang sind die Erinnerungen von Emil Schmalfuß, der sich trotz geradezu verzweifelten Festhaltens an den marxistischen Idealen seiner Jugend bemerkenswert offen zu den Fehlleistungen seiner Generation äußert. Wichtig ist das Buch auch, weil es überwiegend die "anderen", meist nur schwer fassbaren Vertriebenen zeigt, die sich nach 1945 nicht in den Vertriebenenverbänden engagierten. Gerade die Aussagen aktivistisch-bürgerlicher und sozialdemokratischer Zeitzeugen zeigen, dass diese Abstinenz auch mit den innerdeutschen politischen Verwerfungen der Jahre 1918 bis 1945 in der alten Heimat zu tun hat.

MATTHIAS STICKLER

Alena Wagnerová (Herausgeber): Helden der Hoffnung. Die anderen Deutschen aus den Sudeten 1935-1989. Aufbau Verlag, Berlin 2008. 272 S., 24,95 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2009, Nr. 290 / Seite 8
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