Die Vermarktungsstrategie ist durchsichtig mit vorab geheimgehaltenem Autorennamen und wichtigtuerischem "Top Secret"-Stempel auf dem Umschlag. Dennoch handelt es sich um einen lesenswerten Bericht eines Unteroffiziers über die Anfänge des Afghanistan-Einsatzes. Er erzählt von dem Kulturschock zunächst bei der Ankunft in dem fremden Land und dann, nach einem halben Jahr, in der fremd gewordenen Heimat. Er berichtet von alltäglichen Kämpfen mit der Bürokratie und Zusammenstößen mit ängstlichen Vorgesetzten. Das mag sich aus anderer Perspektive anders anhören. Allerdings bietet der Fallschirmjäger mit allerlei Spezialausbildungen, der in Kabul zeitweilig mit niederländischen Kommandosoldaten zusammen eingesetzt wurde, außergewöhnliche Geschichten. Am bewegendsten ist die Szene, in der ein kleines Mädchen mit einem "undefinierten Paket" auf dem Arm auf den bewaffneten Soldaten zugeht, der es erst anschreit und - als es nicht stehenbleibt - mit Steinen bewirft, bis das Kind endlich weinend wegläuft. Erschüttert überlegt er sich, dass er es sonst hätte erschießen müssen. Dass Wohlgethan und sein Koautor Dirk Schulze am Ende den Leser auf eine Fortsetzung über "noch chaotischere" Erlebnisse bei einem zweiten Afghanistan-Einsatz einstimmen, zeugt von Geschäftstüchtigkeit. (Achim Wohlgethan: Endstation Kabul. Als deutscher Soldat in Afghanistan - ein Insiderbericht. Econ Verlag, Berlin 2008. 304 S., 18,90 [Euro].)
STEPHAN LÖWENSTEIN