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Rezension: Sachbuch Keine totale Tötungsabsicht

 ·  Die Verfolgung der Zigeuner im "Dritten Reich"

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Guenter Lewy: "Rückkehr nicht erwünscht". Das Schicksal der Zigeuner im Dritten Reich. Propyläen-Verlag, Berlin 2001. 471 Seiten, 59,90 Mark.

Bis 1937 ging das nationalsozialistische Regime über die herkömmlichen Mittel zur Überwachung und Diskriminierung der Zigeuner nicht hinaus. Zuständig war das Reichskriminalpolizeiamt unter Arthur Nebe. Der spätere Führer der Einsatzgruppe B und Verschwörer des 20. Juli 1944 gehörte - wie Guenter Lewy jetzt hervorhebt - entgegen den apologetischen Erinnerungen Fabian von Schlabrendorffs und Rudolph-Christoph von Gersdorffs zu den rassistischen Scharfmachern des Regimes.

Den Zigeunern wurden asoziales Verhalten und kriminelle Neigungen unterstellt. Ihre Freizügigkeit wurde durch Verbote des Wandergewerbes und die Einweisung in die in den Großstädten bestehenden Zigeunerlager eingeschränkt. Die Jenischen, die "nach Zigeunerart Herumziehenden", waren in die Verfolgung einbezogen, obwohl sie als deutschstämmig galten. Viele wurden mittels der "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung" zu Unrecht kriminalisiert, vor allem im Zuge der im Januar 1938 verfügten Aktion "Arbeitsscheu". Damals erfolgte die Einlieferung von angeblich "Asozialen", unter ihnen ein hoher Anteil von Zigeunern, in die KZs.

Der von "Reichsführer-SS" Himmler unterzeichnete Runderlaß vom 8. Dezember 1938 zur "Bekämpfung der Zigeunerplage" und die Errichtung der "Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens" legten die Grundlage für eine umfassende Lösung des "Zigeunerproblems", wie Heydrich formulierte, "im Reichsmaßstabe". Die angekündigte Verabschiedung eines Zigeunergesetzes unterblieb jedoch, da das Regime, wie auch im Falle der Euthanasie, vor gesetzlichen Selbstbindungen zurückscheute.

Lewy macht in seiner Darstellung deutlich, daß die bestehenden öffentlichen Ressentiments gegen die Zigeuner - und nicht primär die rassenpolitische Ausgrenzung, die im Erbgesundheitsgesetz und in den Nürnberger Gesetzen einen Niederschlag fand - das Vorprellen Reinhard Heydrichs erklären. 1936 hatte das Reichsministerium des Innern eine "Rassenhygienische und bevölkerungsbiologische Forschungsstelle" unter der Leitung des Nervenarztes Dr. Robert Ritter im Reichsgesundheitsamt eingerichtet. Sie sollte Informationen über die "Nichtseßhaften" zusammentragen.

Durch zahlreiche Veröffentlichungen trug die Forschungsstelle dazu bei, die selbst in akademischen Kreisen bestehenden extremen Vorurteile zu verstärken. Der Runderlaß zur "Bekämpfung der Zigeunerplage" von 1938 folgte Ritters Unterscheidung zwischen "reinrassigen" Zigeunern, Zigeunermischlingen und nach Zigeunerart Umherziehenden. Damit wurde die Ende 1942 mit Himmlers "Auschwitzerlaß" eingeleitete Zigeunerpolitik vorweggenommen.

Der Runderlaß leitete zu der 1939 von Arthur Nebe zusammen mit Adolf Eichmann betriebenen Deportation der Zigeunermischlinge über, die jedoch erst im Frühjahr 1940 mit der Abschiebung von 2500 Zigeunern nach Lodz begonnen wurde. Heydrichs Absicht, etwa 30 000 deutsche und österreichische Zigeuner in das Generalgouvernement abzuschieben, mußte jedoch im Herbst 1941 bis nach Kriegsende vertagt und hinter die "Lösung der Judenfrage" zurückgestellt werden. Im Unterschied dazu betraf die von Himmler am 16. Dezember 1942 verfügte und im März 1943 durchgeführte Deportation nach Auschwitz in erster Linie Zigeunermischlinge, für deren Selektion die Gutachten der Forschungsstelle den Ausschlag gaben.

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Rückkehr nicht erwünscht

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2001, Nr. 169 / Seite 9
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