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Hannelore Kohl Schlänglein

10.07.2011 ·  Heribert Schwan hat ein ergreifendes Buch über Hannelore Kohl geschrieben. Manchmal schießt er aber übers Ziel hinaus.

Von Rainer Blasius
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Am 5. Juli 2001 setzte Hannelore Kohl ihrem Leben selbst ein Ende, sechs Tage später fand im Kaiserdom zu Speyer das Requiem statt. Zehn Jahre danach hat Heribert Schwan eine gründlich recherchierte und stark mitfühlende Biographie der Kanzlergattin verfasst. Sie findet reißenden Absatz, wenn auch nicht die Zustimmung des Altkanzlers und mancher seiner Getreuen.

Der promovierte Zeithistoriker Schwan, als Journalist bekannt durch Funk und Fernsehen sowie durch zahlreiche Publikationen, konnte Frau Kohl Mitte der achtziger Jahre für ein WDR-Filmporträt gewinnen. Dies hatte zur Folge, dass er nach Kohls Abwahl 1998 zur „kleinen Gruppe von Wissenschaftlern und Publizisten“ gehörte, „die dem Kanzler beim Schreiben seiner Memoiren half“. Das ist eher eine Untertreibung. Jedenfalls trübte sich das Verhältnis Kohls zum Chef-Ghostwriter, als sich Maike Richter von 2005 an in Oggersheim einbrachte. Man trennte sich bald von Schwan, der weiter fleißig über die Bonner Republik und den Kanzler der Einheit schreibt.

Der „jungen Altkanzlergattin“ Richter-Kohl wirft der Autor „unwürdiges Handeln“ vor und unterstellt ihr die böse Absicht, Erinnerungen an ihre Vorgängerin Hannelore, „diese außergewöhnliche Frau, auszulöschen“. Dem stemmt sich Schwan entgegen, wenn er auch hin und wieder über das Ziel hinausschießt und seine flüssige Erzählung ins Romanhafte abgleitet. Die Dämonisierung von Maike Richter-Kohl - „auch zehn Jahre nach Hannelores Tod lässt die neue Frau ihr keine Ruhe“ - wirkt verfehlt. Hier wäre weniger sicherlich mehr gewesen.

Informiert ist Schwan glänzend, beruft sich auf Gespräche mit Hannelore Kohl, hat Freundinnen und Mitarbeiter befragt. Als ihr Urtrauma stellt er die mehrfache Vergewaltigung des zwölfjährigen Mädchens durch Rotarmisten bei Kriegsende 1945 heraus. Deshalb hätten Begegnungen mit sowjetischen und russischen Politikern der Kanzlergattin seelische Qualen bereitet.

Der Biograph rekonstruiert, wie sie die Karriere ihres Mannes, der sie liebevoll „Schlänglein“ nannte, unter- und abstützte, wie sie schließlich der tiefe Fall durch die Spendenaffäre belastete, nicht zuletzt auch Angela Merkels F.A.Z.-Artikel kurz vor Weihnachten 1999: „Sie konnte den Bruch zwischen ihrem Mann und der politischen Aufsteigerin aus der früheren DDR nicht nachvollziehen. Für Hannelore stand außer Zweifel, dass hinter der ganzen Aktion Kohls Nachfolger an der Spitze der CDU, Wolfgang Schäuble, stand.“

Schwan hegt Zweifel an der Diagnose Lichtallergie. Nach Meinung von Ärzten spreche „sehr viel“ dafür, dass Frau Kohl seit den neunziger Jahren vor allem unter „schweren Depressionen“ gelitten habe. Von ihrer enormen Lebensleistung legt das ergreifende Buch Zeugnis ab.

Heribert Schwan: Die Frau an seiner Seite. Leben und Leiden der Hannelore Kohl. Wilhelm Heyne Verlag, München 2011. 320 Seiten 19,99 Euro.

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Jahrgang 1952, Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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