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21.07.2010 ·  Weltkrieg als Abenteuer

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Ein literarisch ambitionierter und begabter junger Mann berichtet seinen Eltern in Briefen von seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Die Schilderungen stammen mitten aus dem täglichen Erleben heraus, sind unmittelbar und authentisch. Der Stil wechselt je nach Stimmung zwischen sachlich, philosophisch und poetisch. Tod und Verstümmelung, sogar das Warschauer Getto kommt vor, über den Kriegsverlauf gelegentlich Zweifelndes, für die Zeiten durchaus lebensgefährlich Freimütiges. Im Mittelpunkt steht aber die Versorgungslage und die angestrebte Offizierskarriere. Ein Blick auf das Ganze ist aus dieser Perspektive kaum möglich. Vom Briefdialog, der sich mit der Familie entsponnen haben muss, lernt der Leser nur die eine Seite kennen. Der Autor, gleichzeitig der Herausgeber, stellt seinen Briefen heute die Hoffnung voran, dass "gerade die jüngeren Generationen bei dem Lesen begreifen, wie schnell sich alles ändern kann, wenn sie eines Tages wieder Demagogen oder Diktatoren in die Hände fallen". Allerdings lässt er die von ihm ins Visier gefasste Zielgruppe mit den Fragmenten einer fernen und fremden Lebenswelt allein.

Denjenigen Lesern, die über das entsprechende Hintergrundwissen verfügen, werden andere zentrale Informationen vorenthalten: Wie überstanden die Briefe den Krieg? Wo befinden sie sich? Sind die zahlreichen Fehler auf die angespannte Situation an der Front oder die nachlässige Übertragung vor der Drucklegung zurückzuführen? Feldpostbriefe sind zweifellos eine wertvolle historische Quelle für das Verhältnis der Bevölkerung zu Krieg und Regime während des Zweiten Weltkriegs. Aber nicht jede Feldpostbriefsammlung muss gedruckt vorliegen.

KLAUS A. LANKHEIT

Geert-Ulrich Mutzenbecher: Feldpostbriefe an meine Eltern 1941-1945. Isensee Verlag, Oldenburg 2009. 198 S., 14,80 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2010, Nr. 166 / Seite 8
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