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07.12.2009 ·  Afrika und die Armut

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Afrika hat trotz immenser Schwierigkeiten durchaus Chancen, der Armutsfalle zu entkommen. Diese verhalten optimistische Prognose formuliert der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Walter Eberlei. In seiner eingängig geschriebenen, zuweilen übermäßig didaktischen Studie beklagt er, dass die regelmäßigen schlechten Nachrichten vom "Katastrophenkontinent" eine Reihe rezenter positiver Entwicklungen südlich der Sahara verdecken. Insbesondere drei Trends, so der Autor, belegen signikante Fortschritte im Kampf gegen die Armut: Erstens sei in der Entwicklungszusammenarbeit die Doktrin vom Markt als Allheilmittel einem Ansatz gewichen, der dem Staat wieder eine zentrale Rolle für nationale Entwicklungsprozesse zuschreibe. Zweitens schlage die konsequente Ausrichtung von externer Hilfe auf Armutsbekämpfung positiv zu Buche. Drittens habe sich in den meisten Staaten südlich der Sahara eine politisch artikulierte und zunehmend einflussreiche Zivilgesellschaft herausgebildet, welche die Mächtigen unter Handlungsdruck setze. Gerade in Bezug auf den letztgenannten Aspekt scheint größere Skepsis angebracht.

Eberlei ist keineswegs blauäugig, sieht in einigen Ländern durchaus Stagnation oder gar katastrophale Rückschritte, etwa in Teilen Kongos, in Zimbabwe und Sudan. Die gegenwärtige globale Finanzkrise verpasse dem generellen positiven Trend überdies einen kräftigen Dämpfer. Gleichwohl spreche vieles dafür, dass sich der Prozess der Demokratisierung, welche die wichtigste Voraussetzung für die Befreiung von Armut und Abhängigkeit darstellt, nicht aufhalten lasse. Dem Autor ist zugutezuhalten, dass er weder auf eine platte Schelte korrupter afrikanischer Eliten setzt noch pauschal das Ende der Entwicklungshilfe fordert. Zwar liegt, wie er konstatiert, hier noch vieles im Argen, doch sei eine Verbesserung spürbar: "Die in den vergangenen Jahren initiierten, längst überfälligen Reformen der Entwicklungszusammenarbeit, die Einführung neuer Prinzipien und Verfahren und auch die zusätzlich fließenden Entwicklungsmittel sind wichtig und weisen in die richtige Richtung." Hartgesottene Afropessimisten wird die Studie nicht überzeugen. Für jene hingegen, die ein engagiertes Plädoyer für den afrikanischen Kontinent suchen, bietet das Buch eine anregende, zur Diskussion herausfordernde Lektüre.

ANDREAS ECKERT

Walter Eberlei: Afrikas Wege aus der Armutsfalle. Verlag Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2009. 200 S., 19,90 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2009, Nr. 284 / Seite 8
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