Schon früh lehnte der Kunsthistoriker Heinrich Lützeler (1902-1988) den Nationalsozialismus ab. Am 15. Juli 1931 wies er in der "Deutschen Reichszeitung" die vom NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg am Vortag in der Bonner Beethovenhalle vorgetragene Rassenlehre zurück. Die Ausführungen seien wissenschaftlich unzulänglich, stellten eine "Vergötzung von Blut und Macht" und eine "Instinktverwilderung" dar. Der Ortsgruppenführer des nationalsozialistischen "Kampfbundes für deutsche Kultur" reagierte umgehend: "Wir haben längst geahnt, dass die Krüppel keine Helden sind. Aber je zwergenhafter der Mensch entwickelt ist, um so anspruchsvoller erhebt er sein Haupt." Zum Verständnis solcher unverschämter Worte erklärt Frank-Lothar Kroll, dass Lützeler von Geburt an schwer körperbehindert gewesen sei, "nicht größer als 1,20 Meter, zudem unförmig und vollkommen verwachsen". Im Februar 1940 musste der mutige Privatdozent die Bonner Universität bis zum Kriegsende verlassen. Seine Veröffentlichungen weisen laut Kroll "keine nennenswerten Konzessionen an fachliche oder inhaltliche Vorgaben" des NS-Regimes auf, so dass man ihn zu den Vertretern der "Inneren Emigration" rechnen könne. Diese Einordnung überzeugt mehr als der plakative Buchtitel "Intellektueller Widerstand im Dritten Reich", durch den das gegen Hitler gerichtete Denken und das gegen Hitler gerichtete Handeln zu sehr an Trennschärfe verliert. Für die autobiographischen Aufzeichnungen und den Nachlass des bedeutenden Gelehrten brachte das Stadtarchiv Bonn 1991 eine "erhebliche Geldsumme" auf. Aber eine Auswertung hat die Lützeler-Erbin dem sachkundigen und einfühlsamen Autor verwehrt. (Frank-Lothar Kroll: Intellektueller Widerstand im Dritten Reich. Heinrich Lützeler und der Nationalsozialismus. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2009. 141 S., 16,80 [Euro].)
RAINER BLASIUS