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Bombenlaunen

30.08.2010 ·  Warum geben Nuklearmächte Wissen an andere weiter?

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Als militärischer Analyst musste Matthew Kroenig eine Studie über die Reaktion von Großmächten zur nuklearen Proliferation erstellen, aus der sein Buch hervorging. Dieses gebe - wie er einleitend versichert - keineswegs die Meinung der Central Intelligence Agency (CIA) oder einer amerikanischen Regierungsstelle wieder. Aber das Material des Autors habe der amerikanische Auslandsnachrichtendienst überprüft, um Enthüllungen von weiterhin klassifizierten Informationen vorzubeugen. So eingestimmt, verringert sich die Hoffnung, überraschende Einsichten über die Gründe für die gezielte Weitergabe von Technologien zum Bau nuklearer Waffen zu gewinnen.

Eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Darlegung der Beweggründe, aus denen über Nuklearwaffen verfügende Mächte ihr Wissen an andere Staaten weiterreichen, dürfte allerdings generell mangels möglicher Einsicht in geheimes Aktenmaterial, sofern überhaupt vorhanden, schwierig sein. Kroenig nimmt an, eine Nuklearmacht gebe einem anderen Staat über den Aufbau von atomaren Kraftwerken hinausgehende Informationen sowie technische Hilfestellung (sensitive nuclear assistance) in erster Linie aus kohärenter strategischer Logik. Um eine strategische Theorie nuklearer Proliferation zu entwickeln, weist er auf die französische Hilfe beim Aufbau der nuklearen Kapazität Israels hin. Dass er sich dabei auf englischsprachige und nicht auf einschlägige französische Literatur stützt, schmälert seine Behauptung, die nukleare Hilfestellung Frankreichs sei allein aus dem strategischen Kalkül erfolgt, Israel gegenüber Ägypten zu stärken, da Ägypten die algerische Seite im Algerienkrieg unterstützt habe.

Mit strategischen Überlegungen mag die Weitergabe nuklearer Informationen der Sowjetunion an China ab 1958 zu begründen sein, da die sowjetische Seite (bevor sie die Zusammenarbeit bereits zwei Jahre später wieder einstellen sollte) mit China eine Art strategisches Gegengewicht gegen die Vereinigten Straaten von Amerika herstellen wollte. Ähnliches ließe sich auch für die nukleare Hilfe Chinas für Pakistan zwischen 1981 und 1986 annehmen, galt es doch, die sich seit 1964 entwickelnde Nuklearmacht Indien in Schach zu halten.

Welche strategischen Überlegungen, etwa Pakistan zwischen 1987 und 2002 zu nuklearen Hilfestellungen für Iran, für Libyen und Nordkorea führten, oder welches strategische Kalkül Frankreich 1974 zur Unterstützung der nuklearen Vorhaben Pakistans und 1975 Taiwans veranlasste, bevor beide Aktivitäten wegen des energischen Vetos aus Washington eingestellt werden mussten, bleibt offen. Bloße ökonomische oder andere als strategische Interessen werden zudem kategorisch ausgeschlossen. Eine überzeugende Theorie für solche nuklearen Hilfestellungen - falls es sie überhaupt gibt - bleibt ein Desiderat.

REINER POMMERIN

Matthew Kroenig: Exporting the Bomb. Technology Transfer and the Spread of Nuclear Weapons. Cornell University Press, Ithaca and London 2010. 233 S., 66,99 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2010, Nr. 200 / Seite 6
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