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Begrüßter?

19.07.2010 ·  Hans Frank in Krakau

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Hinter dem Titel "Krakauer Burg" verbirgt sich mehr als ein Bilderbuch über das polnische Nationalheiligtum im Zweiten Weltkrieg. Denn dem Autor gelingt eine kleine, lehrreiche Geschichte der Stadt und des Leidens ihrer Bevölkerung. Generalgouverneur Hans Frank richtete sich auf Hitlers Wunsch seinen Dienstsitz auf dem Wawel ein, schöpfte vor brutalsten Entscheidungen Kraft am Flügel bei Chopin und Beethoven, war befreundet mit Richard Strauss und Hans Pfitzner. Der komponierte für ihn die "Krakauer Begrüßung", dirigierte die Uraufführung und sollte der "einzige Weggefährte bleiben, der Frank in die Zelle nach Nürnberg freundschaftliche Grüße sandte".

Das Wüten des Chefbesatzers im "Generalgouvernement" ist genau bekannt seit der Veröffentlichung seines Diensttagebuchs durch das Institut für Zeitgeschichte (1975). Dieter Schenk veranschaulicht jetzt mit Fotomaterial aus deutschen und polnischen Archiven sowie dem Privatfundus von Niklas Frank den Alltag in Krakau und die Selbstinszenierung des "kleinen Diktators" (neben dem großen in Berlin). Ein hemmungsloser Lebensstil zeichnete den Kulturfreund und Kunsträuber aus, über den das geflügelte Wort im Umlauf war: "Im Westen liegt Frankreich, im Osten wird Frank reich." Die Unterdrückten wehrten sich, brachten nicht nur eine gefälschte Frank-Briefmarke in Umlauf, sondern verübten auch Anschläge auf Eisenbahntransporte: "Für einen getöteten Deutschen wurden bis zu 300 Polen erschossen." Hitlers Rechtstheoretiker, der 1940 auf einer Weihnachtsfeier ankündigte, "sämtliche Juden" beseitigen zu wollen, endete in Nürnberg am Galgen. Krakau sei "weitgehend unbeschädigt erhalten" geblieben, bilanziert Schenk: "Das gilt für die Bausubstanz, nicht für die Einwohner der Stadt."

RAINER BLASIUS

Dieter Schenk: Krakauer Burg. Die Machtzentrale des Generalgouverneurs Hans Frank 1939-1945. Ch. Links Verlag, Berlin 2010. 206 S., 29,90 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2010, Nr. 164 / Seite 8
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