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18.01.2010 ·  Grenzen in Europa

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Drei unterschiedliche Typen behandeln die Autoren: Grenzen innerhalb eines Staates, solche zwischen zwei Staaten und jene, mit denen sich Europa von der übrigen Welt abzuheben versucht. Letztgenannten widmet sich Claudia Bruns in ihrem Beitrag über das Selbstbild Europas von der Antike bis ins 20. Jahrhundert. Am Anfang standen mythologische und religiöse Auffassungen, Europa und der Stier, die aber auch sehr schnell in rassistische Überlegungen verfallen konnten, etwa wenn laut Vorstellungswelt des Mittelalters die drei damals bekannten Kontinente - Europa, Asien und Afrika - nach der Sintflut unter den Söhnen Noahs aufgeteilt wurden und in Darstellungen der weiße Japhet Europa erhält, der dunkle Ham Afrika. Die Autorin geht nicht auf Grenzziehungen innerhalb Europas ein, etwa den Limes, die Teilungen des Karolingischen Reichs oder die Militärgrenze zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich.

Andrea Komlosy untersucht, inwieweit im Habsburgerreich die staatliche Administration durch Verwaltungsstrukturen (Kreisgrenzen) bei der Bevölkerung neue regionale Identitäten schuf oder solche durch Änderung der Verwaltungsgebiete unterband; dies wirkte sich bis in die Gegenwart aus. Michael Gehler geht der Geschichte der Brennergrenze von ihrer Entstehung nach dem Ersten Weltkrieg bis zu ihrer faktischen Auflösung als Folge von Schengen nach. Er wirft den italienischen Regierungen nach 1945 vor, die Italisierungsmaßnahmen Mussolinis nicht bedauert und die Politik gegenüber den deutschsprachigen Südtirolern nicht geändert, sondern vielmehr diese weiter fortgesetzt zu haben und nach dem Fall der Grenze an einem faschistischen Denkmal - dem Siegerdenkmal in Bozen - als Identifikationsmonument für die italienischsprachige Bevölkerung festzuhalten. Hans-Jürgen Grasemann beschreibt die Geschichte der Zentralen Erfassungsstelle Salzgitter nach 1961, die das Unrecht in der DDR dokumentierte, und die Versuche der Ost-Berliner Regierung und der SPD, diese Institution als angebliches Relikt des Kalten Krieges aufzulösen.

FRANZ-JOSEF KOS

Michael Gehler/Andreas Pudlat (Herausgeber): Grenzen in Europa. Unter Mitarbeit von Imke Scharlemann. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009. 378 S., 39,80 [Euro].

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2010, Nr. 14 / Seite 6
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