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Rezension: Sachbuch : Von den konstruktionsbedingten Mängeln des Verstandes

  • Aktualisiert am

Colin McGinn erklärt, warum die Philosophie zu nichts führen kann

          Warum sind die Probleme der Philosophie so schwer zu lösen? Warum wirken ihre Fragestellungen faszinierend und zugleich verwirrend? Diese metaphilosophischen Fragen begleiten die Philosophie treu wie ein Schatten und belastend wie ein schlechtes Gewissen. Um so neugieriger wird man sein, wenn jemand verspricht, das Wesen dieser philosophischen Perplexität und ihrer geschichtlichen Dynamik zu erklären. Der in New York lehrende englische Philosoph Colin McGinn hat dazu in seinem neuesten Buch einen provokanten Vorschlag unterbreitet.

          "Problems in Philosophy. The Limits of Inquiry", das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt, ist ein Traktat, in dem die Philosophie selbst auf dem Prüfstand steht. McGinn probiert eine allgemeine Hypothese aus, die eine Erklärung für den Eindruck der Schwierigkeit und Tiefe der klassischen philosophischen Probleme liefern soll. Wie er selbt betont, fällt seine Diagnose sehr ernüchternd aus: Unsere Schwierigkeiten mit der Philosophie seien auf strukturelle innere Grenzen zurückzuführen, die der menschlichen Vernunft gezogen seien. Der Grund dafür, daß wir uns mit den philosophischen Problemen so schwertun, liege darin, "daß wir unser Erkenntnisvermögen zu zwingen versuchen, Auskünfte über Phänomene zu geben, die zu begreifen dieses Vermögen von Natur aus nicht geschaffen ist" oder, anders gesagt, "daß uns die notwendigen geistigen Organe abgehen, mit denen man Theorien aufstellen könnte über die uns rätselhaft erscheinenden Phänomene".

          Das Thema "Bewußtsein" dient dem Autor als Paradigma. In früheren Veröffentlichungen, mit denen er sich in der angelsächsischen Philosophie des Geistes einen Namen gemacht hat, war er bereits zu der Überzeugung gelangt, daß das Leib-Seele-Problem für den menschlichen Verstand nicht zu lösen sei. Die natürlichen Zusammenhänge, die zwischen Gehirnvorgängen und Bewußtseinszuständen vermitteln, seien für uns nicht zugänglich. Wir können weder durch Beobachtung noch durch theoretische Argumente erkennen, welche Eigenschaft des Gehirns für das Bewußtsein verantwortlich ist; daher bleibt uns die Verbindung zwischen Geist und Hirn unbegreiflich.

          In seinem neuen Buch versucht McGinn, diese Einschätzung auf andere philosophische Fragen auszudehnen: auf den Platz des Ich in der physischen Welt, auf Bedeutung, Intentionalität und Meinen, auf das Problem der Willensfreiheit, auf die Möglichkeit von Erkenntnis a priori und auf die Möglichkeit von empirischer Erkenntnis. Da es sich hierbei um zentrale Fragestellungen handelt, die in viele andere Bereiche ausstrahlen, glaubt McGinn der Philosophie insgesamt die Diagnose stellen zu können: Ihre Schwierigkeit beruhe, kurz gesagt, auf konstruktionsbedingten Beschränkungen der menschlichen Vernunft.

          McGinn stellt zwei Raster bereit, um den Lesern die metaphilosophische Orientierung in den Landschaften zu erleichtern, die durch die philosophischen Schlüsselfragen eröffnet werden. Wenn ein Thema für uns unzugänglich ist, nimmt die Debatte darüber eine charakteristische Gestalt an. Es bilden sich rasch vier Lager heraus, denen unterschiedliche Taktiken entsprechen, mit dem jeweiligen Gegenstand zu Rande zu kommen: Einige Philosophen versuchen, das fragliche Phänomen zu domestizieren, indem sie es auf etwas Vertrauteres zurückführen. Andere geben die zu untersuchenden Tatsachen als unreduzierbar aus; man solle sie einfach als das nehmen, was sie sind. Eine dritte Fraktion erklärt das Phänomen für ein Mysterium, für etwas Übernatürliches. Dagegen sucht ein viertes Lager eine Lösung in der Elimination: In Wirklichkeit gebe es nichts dergleichen; daher solle man die entsprechenden Begriffe aus der seriösen Wissenschaft entfernen. Diese vier Optionen kürzt der Autor durch ein Akronym ab, das (in der deutschen Ausgabe) "DUME" lautet. In jedem der zentralen Kapitel bemüht er sich zu zeigen, daß die Diskussion des jeweiligen philosophischen Problems einem eintönigen Reigen nach diesem DUME-Muster gleicht. Keine dieser Positionen biete jedoch eine dauerhafte Lösung, so daß der Streit bis in alle Ewigkeit fortgesetzt werden könnte.

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