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Rezension: Sachbuch Ohne einander

05.06.2002
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Marcel Reich-Ranicki hat seine Aufsätze und Kritiken zu Martin Walser versammelt. Diese zehn Arbeiten, zwischen 1963 und 1993 entstanden und für den Band um ein Nachwort vermehrt, sind mehr als die vorläufige Bilanz des kritischen Bemühens um einen der wichtigsten Schriftsteller unserer Epoche. Walser und Reich-Ranicki: Sie bilden so etwas wie ein Diskurenpaar der deutschen Gegenwartsliteratur. Sie seien, so hat es Walser formuliert, keineswegs feindliche Brüder, sondern viel eher eine „blühende Symbiose“. Reich-Ranicki gesteht dieser Äußerung in seinem Nachwort immerhin „ein Körnchen Wahrheit“ zu - ausnahmsweise untertreibt er damit. Rede und Gegenrede, Polemik und Loblied, Totalverriß und nahezu uneingeschränkter Hymnus: Wechselseitig wurden sämtliche Töne angeschlagen, alle Register bemüht. Von den frühen Romanen „Ehen in Philippsburg“ (1957) und „Halbzeit“ (1960) über „Jenseits der Liebe“ (1967) und „Ein fliehendes Pferd“ (1978) bis zu „Ohne einander“ (1993) reicht Reich-Ranickis kritische Beschäftigung mit Walsers Werk. Das kann man nun im Ensemble nachlesen (Marcel Reich-Ranicki: „Martin Walser“. Aufsätze. Mit Fotos von Isolde Ohlbaum. Amman Verlag, Zürich 1004. 167 S., br., 28,- DM.) F.A.Z.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.1995, Seite 26
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