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Rezension: Sachbuch : Bilder sehen

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Kunst für Kinder

          Kindern darf man alles zutrauen! Es ist nie zu früh, ihren Verstand ernst zu nehmen. Darum sollten Eltern und Lehrer die neue Kunstsachbuch-Reihe "Mein Bild" aufgeweckten lesekundigen Kindern schon früh in die Hand geben. Jeder Band dieser Reihe ist einem einzigen bekannten Gemälde gewidmet, das auf einer Ausklapptafel im ganzen und im Buch unter verschiedenen Gesichtspunkten in Ausschnitten zu sehen ist. Auf 130 Seiten sind außerdem interessante Geschichten über den Maler, seine Zeit, deren Moden und Anschauungen, über die Entstehung und die Bedeutung des Gemäldes, über Analogien bei anderen Künstlern zu lesen. Dem Kind wird weniger Belehrung als vielmehr unangestrengt eine kulturelle Horizonterweiterung geboten. Die kurzen Kapitel muß es gar nicht in einem Zug hintereinander lesen, es kann blättern oder verweilen. Die Autoren, Museumsleute und Kunsthistoriker, sprechen Kinder nicht kindertümelnd an, aber sie überfordern sie auch nicht durch Bildungshuberei.

          Die beiden ersten Bände der Reihe gelten Philipp Otto Runge und seinem Bild "Die Hülsenbeckschen Kinder" sowie Pieter Bruegels "Schlaraffenland", im Oktober folgen Rembrandts "Belsazar" und Watteaus "Italienische Komödie". Es soll im weitesten Sinne ein Gang durch die Kunstgeschichte werden, Bild für Bild ein imaginäres Museum entstehen. Was auf den ersten Blick als Nachteil erscheinen mag, das Taschenbuchformat, ist womöglich die einzige Chance, Kunst auch unter die Kinder zu bringen: Die hervorragend edierten Bände mit einem Farbdruck in bester Kunstbuch-Qualität und mit Fadenheftung, damit nichts auseinanderfällt, sind ungewöhnlich preiswert.

          ELLEN POMIKALKO Ute Blaich: "Philipp Otto Runge: Die Hülsenbeckschen Kinder". Ein rotfuchs-Kunstbuch. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek 1995. 127 S., brosch., 16,90 DM.

          Nils Jockel: "Pieter Bruegel: Das Schlaraffenland". dito.

          Philipp Otto Runge: Die Hülsenbeckschen Kinder; Pieter Bruegel: Das Schlaraffenland

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.1995, Nr. 228 / Seite B4

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