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Belletristik bei Red Bull : Surfen oder Skifahren sind auch Romanstoffe

  • -Aktualisiert am

Der Benevento-Verlag: Red Bull bald in Buchform Bild: Amadeus Waldner

Red Bull vertreibt nicht nur einen Energiedrink und sponsert Extremsport-Veranstaltungen. Der Konzern steigt jetzt ins Literaturgeschäft ein: Programmchefin Birgit Schmitz über die Pläne des neuen Benevento-Verlags.

          Frau Schmitz, seit 2013 gehört der Sachbuchverlag Ecowin zur Red Bull Media House GmbH. In Salzburg baut nun der Ecowin-Verleger Hannes Steiner mit Benevento auch einen neuen Literaturverlag auf. Was ist das für ein Konglomerat, für das Sie nun arbeiten?

          Zu Benevento Publishing gehört Ecowin, der alte Verlag von Hannes Steiner, aber auch die Servus-Bücher, also Bücher, die ein ähnliches Spektrum abbilden wie Servus TV und das Servus-Magazin. Dann gibt es noch PanTauro, das sind Bücher, die in der Welt von Red Bull beheimatet sind.

          Sie sind seit kurzem „Editor-at-Large“ von Benevento. Was hat man sich darunter vorzustellen?

          In Amerika ist das jemand, der sich vor allem den inhaltlichen Projekten widmet. In meinem alten Job als geschäftsführende Verlegerin beim Berlin Verlag ging es sehr viel um Mitarbeiterführung, um Vorschauproduktionen und Unternehmenskommunikation. Bei Hannes Steiner bin ich auf der Seite der Programmentwickler. Ich bin jemand, der viel verreist, Themen sucht, viele Freiheiten hat, viel nachdenken kann. Zu so etwas kann man schlecht nein sagen.

          Vom Berlin Verlag zu Red Bulls Benevento: Programmchefin Birgit Schmitz
          Vom Berlin Verlag zu Red Bulls Benevento: Programmchefin Birgit Schmitz : Bild: Bloomsbury Verlag/Pablo Castagnola

          Im Herbst nächsten Jahres wollen Sie mit Ihrem ersten Literaturprogramm herauskommen. Was für Bücher wollen Sie bei Benevento machen?

          Sie müssen die Frage andersherum stellen: Was will ich alles weglassen?

          Gut. Was lassen Sie also weg?

          Drittklassige Krimis zum Beispiel. Als Verleger denkt man ja aus ökonomischen Erwägungen meist so: Ich brauche noch was für Frauen, noch was Junges, eine Coming-of-age-Geschichte. Das ist für mich bei Red Bull Media House alles keine Frage mehr. Ich kann hingehen und sagen: Das ist das Buch, das ich verlegen will. Das ist das, was irgendwie in diesen Spirit von Red Bull passt.

          Was für ein Geist ist denn das?

          Über Grenzen hinaus zu denken und zu handeln, intelligenten, niveauvollen Content zu schaffen, der inspiriert und fasziniert - das ist das Credo des Red Bull Media House.

          Content klingt nicht sehr literarisch.

          Für mich ergibt sich daraus der Anspruch, mit Talenten zu arbeiten und sie zu fragen, was sie vorhaben, was ich für sie tun kann. Der Alltag in einem durchschnittlichen deutschen Verlag sieht aber so aus: Man steht unter Druck, weil jeder das große neue Buch sucht und deshalb bestimmte Namen stark überbezahlt werden. Man muss sich also die Frage stellen, ob es nicht sinnvoller ist, Programmentwickler dorthin zu schicken, wo die interessanten Themen sind. Das kann ich hier.

          Konzerngründer Dietrich Mateschitz ist also kein neuer mäzenatischer Verlegertyp à la Andrew Carnegie?

          Benevento hat eine langfristige Vision und als Unternehmen den Auftrag, mehr Geld zu verdienen als auszugeben.

          Stört es Sie nicht, für einen Unternehmer zu arbeiten, der sein Vermögen mit einem Aufputschtrunk gemacht hat, der wie flüssige Gummibärchen schmeckt?

          Die Frage ist doch die, ob sich die Medienkonzerne nicht sowieso alle inzwischen anders aufstellen. Holtzbrinck etwa besitzt die Partnerbörse Parship, Springer kauft Start-ups in den Vereinigten Staaten, die alles, aber keine Zeitungen herstellen. Ich glaube, es stellt sich eher die Frage nach dem Mischkonzern.

          Was möchten Sie gern umsetzen, das Sie vorher nicht machen konnten?

          Ich weiß, dass man im Leben sowieso nur wenige Bücher liest, die einem wirklich etwas bedeuten. Wenn man das Glück hat, ein solches Buch zu verlegen, ist das toll, aber ich gehe nicht automatisch davon aus. Ich möchte also erst mal Geschichten finden, die in sich eine hohe Qualität haben, die gut erzählt sind und nicht nur den Wert eines Namens vor sich hertragen. Und ich will nicht mehr in die Situation kommen, ein Buch nicht einkaufen zu können, weil ich jetzt gerade zu viele männliche Autoren habe und noch was Unterhaltsames mit Spannung fehlt. Ich finde, ungehörte Stimmen zu verlegen ist ein Auftrag von Verlegern. Das kann Belletristik sein aus Ländern, die man nicht richtig kennt. Oder Sachbücher. Das ist nicht neu, aber das ist das, woran ich immer noch glaube. Das passt auch zu Benevento, zum „guten Ereignis“ und dem „guten Wind“, die sich im Verlagsnamen verbergen.

          Und wenn das „gute Ereignis“ ein Event im etwas breitbeinigen Stil der Red-Bull-Kultur wäre?

          Man kann das natürlich aufnehmen. Ich habe überhaupt nichts gegen Surfen oder Skifahren. Wenn Leute, außergewöhnliche Persönlichkeiten, das sehr gut machen, ist das eine tolle Geschichte. Das kann man literarisch schon sehr gut übersetzen, glaube ich. Es geht immer um die Geschichte. Und dass es dann wiederum Leute „in house“ gibt, die darüber nachdenken, wie man das digital verarbeiten kann oder filmisch, ist ein riesiger Vorteil für das Verlagsgeschäft.

          Quelle: F.A.Z.

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