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Dienstag, 14. Februar 2012
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Rechtschreibung "Konsequenzen aus Verwirrung und geringer Akzeptanz"

08.08.2004 ·  „Wenn etwas nach fünf Jahren immer noch zu großer Verwirrung führt und zu wenig Akzeptanz, dann muß man Konsequenzen ziehen“, so Hans Werner Kilz von der „Süddeutschen Zeitung“ im Interview.

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Der Spiegel-Verlag, die Axel Springer AG und die „Süddeutsche Zeitung“ haben beschlossen zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sprach mit dem Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Hans Werner Kilz.

Alte Rechtschreibung, neue Rechtschreibung: Was ist die Haltung der "Süddeutschen Zeitung" in dieser Sache?

Wir müssen jeden Tag eine Zeitung machen, da braucht man einen zielorientierten Pragmatismus, und das heißt: möglichst wenige Orthographiefehler. Mit der neuen Rechtschreibung wurde das nicht erreicht. Und wenn etwas nach fünf Jahren immer noch zu großer Verwirrung führt und zu wenig Akzeptanz, dann muß man Konsequenzen ziehen. Das wollen wir tun.

Ab wann soll die "SZ" wieder in der altbewährten Rechtschreibung erscheinen?

Ich glaube nicht, daß wir jetzt ein Datum nennen sollten oder irgendwelche Details einer zukünftigen Rechtschreibung. Wichtig ist jetzt das Signal zur Abkehr von der neuen Rechtschreibung. Alles andere ist auch eine Sache der Politik. Wir wollen den Kultusministern mit unserer Entscheidung ein Signal geben. Wir wollen eine Trendwende einläuten, das Gespräch anschieben.

Springer und der "Spiegel" haben am Freitag mittag verkündet, daß sie nun wieder die alte Rechtschreibregeln befolgen wollen - die "SZ" schloß sich am Abend an. Stehen Sie da jetzt nicht ein bißchen als Nachzügler da?

Wir waren von Anfang an mit im Boot, und das ist doch kein Wettlauf oder eine Marketing-Entscheidung, an einer solchen Spekulation beteilige ich mich nicht. Wichtig ist nur, daß es am Ende zu einer Einheitlichkeit kommt und zu einer vernünftigen neuen Regelung.

Wie wird die "SZ" zukünftig zum "sz" stehen? Gibt es Neuerungen, die Sie beibehalten wollen?

Ob wir "dass" künftig wieder "daß" schreiben, kann ich nicht sagen. Es ist noch zu früh, sich da jetzt festzulegen, man wird das alles in Ruhe erörtern müssen. Aber es gibt durchaus neue Regelungen, die ich beibehalten würde, vor allem was die Silbentrennungen angeht.

Sind Sie privat bei der alten Rechtschreibung geblieben?

Briefe schreibe ich meistens mit der alten Rechtschreibung, und ich käme selbstverständlich nie auf die Idee, Spaghetti ohne h zu schreiben.

Haben Sie schulpflichtige Kinder in Ihrer Verwandtschaft?

Die Großen sind schon raus, und der Kleine ist noch nicht drin, für den käme das also gerade rechtzeitig.

Was gab den Anstoß, das jetzt auf Zeitungsebene im Zusammenschluß zu machen?

Ich wurde von meinen früheren Kollegen beim "Spiegel" angesprochen, wie wir das denn nun handhaben sollten mit der Rechtschreibung und ob man darüber reden könne, und dann wurde ein Treffen in Hamburg vereinbart zwischen "Spiegel", Springer und der "SZ", vertreten von unserem Rechtschreibexperten Hermann Unterstöger. Auch von Suhrkamp nahm jemand teil.

Wird jetzt jede Zeitung, wann sie will, ihr eigenes Regelwerk einführen, oder wird es eine konzertierte Aktion geben?

Die Debatte ist jetzt in Gang gekommen, und das war auch der Sinn. Ich denke, daß die Nachrichtenagenturen reagieren werden, einige Verlagshäuser - man muß sehen, daß es eine möglichst breitangelegte Aktion wird, um tatsächlich etwas zu bewirken. Die letzte Entscheidung liegt ja nicht bei den Journalisten oder Verlagen, sondern bei den Kultusministern. Wir sind nicht die Sprachkommission - wir machen nur darauf aufmerksam, daß die Rechtschreibreform in der jetzt gültigen Form oft sehr sinnentstellend wirkt.

Ist das eine Art Machtdemonstration gegenüber der Politik, die in dieser Frage ja sehr apathisch ist?

Ach was. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat mich einfach vor ein paar Wochen gefragt, was bei den großen bayerischen Zeitungen diskutiert wird, und er hat auch den Eindruck erweckt, daß er sich beim Treffen der Ministerpräsidenten im Oktober für eine Änderung einsetzen wird. Jetzt liegt es an den Kultusministern. Es gibt da ein sehr diffuses Bild, und es ist auch keine Parteienangelegenheit.

Herr Kilz, warum hat es fünf Jahre gedauert?

Diese Frage habe ich mir natürlich auch gestellt. Es haben wohl zu viele Leute dieser Sache zu wenig Bedeutung beigemessen - die Proteste bei den Zeitungslesern kamen ja früh auf - Umfragen zufolge haben zwei Drittel der Bevölkerung die Rechtschreibreform nie akzeptiert, nur dreizehn Prozent wollen sie beibehalten. Erst als man in der Praxis gesehen hat, was für Unsinn da passiert, wurde man hellhörig: daß man Tunfisch auf einmal so schreibt, als müßte der Fisch etwas tun, bei Thron aber bleibt das h nach dem T, das soll mir mal einer erklären.

Hätte man im nachhinein vielleicht besser überlegen und die neuen Regelungen prüfen sollen, bevor man alle Mitarbeiter umschult und dann fünf Jahre später entscheidet, daß vieles Unsinn war?

Daß so viel Zeit verstrichen ist, ist in der Tat verblüffend - aber jetzt ist eben das Datum nah, an dem die neue Regelung verbindlich würde, August 2005, und da sind alle hellhörig und wach geworden. Es ist dem Ganzen vielleicht zu lange zu wenig Beachtung geschenkt worden. Aber es ist ja gerade noch rechtzeitig.

Die Fragen stellte Johanna Adorjan

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