http://www.faz.net/-gqz-wg2z

Realroman „Havemann“ : Neuauflage, irgendwann

Zurückgezogen, doch bald im Netz: Havemann Bild: Verlag

Gerade war die erste Auflage des Realromans „Havemann“ weitgehend verkauft worden, da musste das Buch wegen angedrohter juristischer Schritte zurückgezogen werden. Doch es wird seinen Weg machen, meint Lorenz Jäger. Vorerst wandert es ins Internet.

          „Havemann“ ist gegenwärtig nicht lieferbar. Die erste Auflage wurde weitgehend verkauft, dann musste der Suhrkamp Verlag, nachdem juristische Schritte angedroht worden waren, das indiskrete Werk zurückziehen. Aber dieses Buch wird seinen Weg machen, so oder so. Denn es enthält ein derart dichtes Porträt deutscher Zustände, von der NS-Zeit über die DDR bis heute, von nahem gesehen, im Mikrokosmos einer Familie, einer Freundes- und Kunstwelt, dass es mit einer inneren Notwendigkeit auftreten kann.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Kritik hatte sich zunächst auf die skandalisierbaren Passagen geworfen, auf das ungünstige Bild, das Florian Havemann von Wolf Biermann zeichnet (aber nicht von diesem kamen die juristischen Schritte), und auf den vermeintlichen Vatermord, also die krass-realistische, eben auch Schattenpartien verdeutlichende Schilderung der Welt des Vaters, des gefeierten DDR-Oppositionellen Robert Havemann.

          Und tatsächlich schreibt Florian Havemann manchmal wie ein Berserker, aber eben auch mit großer Geduld, in die komplizierten Einzelheiten gehend, immer wieder von einer andern Seite her die Menschen betrachtend. Und welche Menschen: den Dichter Erich Fried, den Dramatiker Thomas Brasch, den Revolutionär Rudi Dutschke. Niemals mit einem sterilen Hass, aber eben auch nie mit der interessierten Legende paktierend, die sich um diese Menschen gewoben hat.

          Das Buch schreibt sich weiter

          Zunächst hatte man im Verlag an eine Neuauflage des Buches mit geschwärzten Stellen gedacht. Nun wird es anders kommen. Wie Florian Havemann im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte, wird in einem ersten Schritt der Neupublikation eine Fassung ins Netz gestellt, in der die umstrittenen Passagen, gegen die mehrere der im Buch Erwähnten Einsprüche erhoben haben, nun auch geschwärzt erscheinen. An deren Stelle treten Überarbeitungen des Autors, dem es auf die Transparenz des inneren Zusammenhangs ankommt.

          Jede dieser Umformulierungen werde man juristisch prüfen lassen. Dies sei ein erster Schritt der Neubearbeitung. Gewiss wird es zu einer neuen Diskussion des Buches kommen, denn die erste Ausgabe hatte ja ihre Leser gefunden, die dann erkennen werden, wo die heiklen Punkte lagen. Es ist ein unvermeidliches Paradox dieser Sache, dass durch die Überarbeitung gerade das, was gelöscht werden sollte, erst recht in den Blick gerät. Zudem, so Florian Havemann weiter, werde er auch der Auseinandersetzung mit jenen nicht ausweichen, die sich - wie vor allem seine Schwester Sibylle kürzlich im „Spiegel“ und in einem offenen Brief an Ulla Berkewicz, die Leiterin des Suhrkamp Verlags - gegen das Buch ausgesprochen haben.

          Dies alles betrachtet der Autor als einen ersten Schritt in einem Prozess zunächst im Netz, dem eines Tages eine neue gedruckte Ausgabe folgen soll: „Das Buch schreibt sich sozusagen weiter.“ Auch Philip Roeder vom Suhrkamp Verlag schloss sich gegenüber dieser Zeitung Havemanns Vorstellungen an. Man denkt zudem an ein Diskussionsforum auf der Internetseite des Verlags. Florian Havemann hofft, dass sein Buch in wenigen Wochen in einer Online-Fassung wieder seine Leser finden kann.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Nackt unter Dörflern

          Fernsehfilm „Rufmord“ bei Arte : Nackt unter Dörflern

          In dem Drama „Rufmord“ geht es nur oberflächlich um Cybermobbing. Im Grunde handelt der Film davon, wie eine junge Lehrerin, von der ein Nacktfoto auftaucht, den Glauben an das Gute verliert. Rosalie Thomass spielt groß auf.

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Alice Weidel lehnt einen Rücktritt wegen der illegalen Spenden ab.

          Geld aus der Schweiz : Weidel bezahlte Wahlkämpfer mit Spende

          Alice Weidels Sprecher bestätigt die bewusste Verwendung des Geldes. Die illegale Spende soll für die Finanzierung von Facebook-Likes und für einen Medienanwalt genutzt worden sein.
          Italiens Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio geht in der Haushaltspolitik auf Konfrontationskurs mit der EU.

          Schuldenstreit mit der EU : Italien bleibt stur

          Die italienische Regierung weicht nicht von ihrer Haushaltspolitik ab. Nach Ablauf einer Frist am Dienstagabend droht Rom nun ein Verfahren der EU-Kommission.

          Brexit-Verhandler einigen sich : „Der weiße Rauch steigt auf“

          In den Verhandlungen um ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU haben die Unterhändler einen wichtigen Durchbruch erzielt. Während EVP-Chef Weber den Verhandlungserfolg feiert, äußert Boris Johnson scharfe Kritik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.