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Random House : Niemand hat vor, einen Verlag zu schließen

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Wo ist Manesse? In Leipzig war der Schriftzug des Klassikerverlags bereits nicht mehr zu sehen. Bild: dpa

Random House strukturiert und gruppiert seine klassischen Marken neu: Was dabei genau mit Siedler, der DVA und dem Klassikerverlag Manesse geschehen wird, ist noch unklar.

          Man stelle sich folgendes Szenario vor: Die Verlagsgruppe Random House kündigt an, gleich mehrere Verlage sukzessive abzuwickeln: den renommierten Sachbuchverlag Siedler, die DVA und der Klassikerverlag Manesse. Die Empörung wäre groß, die Erklärungsnot enorm. Nun ist freilich diese Ankündigung gar nicht erfolgt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Konzern gab eine Pressemeldung heraus, die zwar nicht gleich eine wirkliche Verlagsneugründung versprach, stattdessen die Etablierung der deutschen Marke Penguin Hardcover. Unter diesem Namen sollen künftig die Verlagsprogramme DVA Literatur, Knaus, Manesse und Siedler zusammen laufen. Verlagsleiterin von Penguin HC wird mit Inkrafttreten der Umstrukturierungen zum 1.April Britta Egetemeier, die bisher das Sachbuchprogramm bei Knaus verantwortete. Wolfgang Ferchl, jetziger Knaus-Verleger, agiert als „publisher at large“.

          Die Frage nach ihren konkreten Vorhaben möchten Egetemeier und Ferchl gern vertagen, auf Anfang des kommenden Jahres. Derzeit gebe es nichts zu berichten, was über die Pressemeldung hinausgehe. Das wäre, nähme man es als substantielle Aussage über den tatsächlichen Stand der Dinge, eine Offenbarung: umstrukturieren, ohne ein inhaltliches Konzept zu haben? Gewiss nicht. Man will bei Random House derzeit nicht sprechen. So etwas verheißt selten Gutes.

          Thomas Rathnow, der für den betroffenen verlegerischen Teilbereich des Random-House-Konzerns zuständig ist und die Umstrukturierungen verantwortet, wird in besagter Pressemitteilung wie folgt zitiert: „Mit einem starken Führungsteam und der neuen Struktur unter der Dachmarke Penguin werden wir in eine erfolgreiche verlegerische Zukunft aufbrechen und unter den sich verändernden Marktbedingungen die Bücher unserer Autoren noch besser an die größtmögliche Zahl an Lesern vermitteln.“

          Mit Goldmann und Heyne hat Random House bereits zwei Flaggschiffe für bestsellertaugliche Unterhaltungsliteratur. Penguin HC soll offenbar ähnlich publikumsorientiert ausgerichtet werden. Streamlining ist das Gebot der Stunde. Von außen betrachtet, könnte man meinen, die avisierte Ausrichtung sei nicht unbedingt sinnvoll, würde ein dritter Verlag im Konzern dasselbe Feld bewirtschaften wie die Marktriesen Heyne und Goldmann. Man würde sich gegenseitig die Zielgruppen streitig machen.

          Spekulieren lässt sich deshalb über interne Erwägungen. Georg Reuchlein, Verleger von Goldmann, hat ebenso wie der Heyne-Verleger Ulrich Genzler die sechzig überschritten, beide Posten werden in wenigen Jahren vakant. Denkt man den Streamlining- und Optimierungsgedanken fort, wäre in absehbarer Zukunft eine Gesamtleitung von Penguin HC, Goldmann und Heyne nicht ausgeschlossen. Wenn Thomas Rathnow rasch wirtschaftliche Erfolge einfährt, hätte er ein perfektes Bewerbungsschreiben vorgelegt.

          Was aber passiert mit den Verlagen, die mit der Einführung von Penguin HC eingemeindet werden? Sind die nicht zwangsläufig der Auflösung anheimgegeben? Gerade ein auf intellektuelle Nachhaltigkeit, Politik- und Geistesgeschichte setzendes Programm wie das des Siedler Verlags? Jens Dehning, Programmleiter bei Siedler, bekundet, nichts über die Neuausrichtung sagen zu können. Marion Kohler, zuständig für die Belletristik der DVA, verweist ebenfalls an die offiziellen Presseorgane. Das klingt nach Maulkorb.

          Aber man kann sich ja selbst ein Bild machen. Wer vor einer Woche auf der Leipziger Buchmesse den Stand von Random House besuchte, musste mit einiger Irritation zur Kenntnis nehmen, dass etwa der Name Manesse als Schriftzug an den Wänden des Standes gar nicht mehr auftauchte. Die Bücher wurden nicht mehr sichtbar als eigenes Programm in den Regalen präsentiert, sondern auf kleine Stapel zusammengerückt, die man erst einmal mühsam aufstöbern musste.

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