Von „V.“ bis „Inherent Vice“ ist nun auch elektronisch alles zu lesen, was Thomas Pynchon bisher nur zwischen zwei Buchdeckeln anzubieten hatte. Der amerikanische Schriftsteller schließt sich damit den wenigen namhaften Kollegen an, die sich mit E-Books nicht anfreunden können, aber allmählich doch ihren Widerstand aufgeben. Ray Bradbury, der letzte Woche starb, hatte erst im vergangenen November seinem Verlag erlaubt, „Fahrenheit 451“ auch als digitale Version zu verkaufen.
Während von Bradbury bekannt ist, dass er meinte, E-Books röchen wie verbranntes Benzin, hat der fünfundsiebzig Jahre alte Pynchon, weder seine langjährige Abneigung noch seinen plötzlichen Gesinnungswechsel begründet. Der öffentlichkeitsscheue Autor lässt jetzt lieber Ann Godoff, die Chefin der Penguin Press, weniger erklären als mutmaßen: „Ich glaube, er will mehr Leser haben.“ Die aber sind in Amerika heutzutage viel leichter zu finden, wenn sie, wie im Fall Pynchon, nun einen Roman für 9,99 Dollar herunterladen können. 12,99 Dollar kosten die dickeren Bücher des Schriftstellers, der aber angeblich als Leser dem Papier treu bleiben will. Und auch was er über das grafisch und musikalisch aufgekratzte Video denken mag, das die Marketingkampagne schon mächtig in Schwung bringt, kann bloß zu Vermutungen Anlass geben.
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