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SF-Roman „Red Rising“ : Durch das Rauhe zu den Sternen

Der „Rote Planet“ ist wichtigster Schauplatz in Red Rising. Die Menschen haben ihn längst besiedelt. Ob sie das jemals tun, wer weiß. Im Jahr 1980, als die Nasa-Sonde Viking Orbiter ihn so fotografierte, war sie jedenfalls noch viel weiter weg davon als heute. Bild: ddp

Pierce Brown hat ein großartiges Science-Fiction-Epos geschrieben. Vergleiche zu „Star Wars“ und „Antigone“ drängen sich auf. Und nicht nur das.

          „Ich steige in die Finsternis empor, fort vom Garten, den sie mit dem Blut meiner Freunde getränkt haben. Der Goldene, der das Leben meiner Frau ausgelöscht hat, liegt tot neben mir auf einem kalten Metalldeck, von der Hand seines eigenen Sohnes getötet.“ Darrow befindet sich am absoluten Tiefpunkt. Er ist der Held, Protagonist, und Ich-Erzähler des überaus lesenswerten Science-Fiction-Epos „Red Rising“, dessen dritter Teil nun unter dem Titel „Tag der Entscheidung“ auf Deutsch erscheint. Düster beginnt das Buch, so düster wie in diesem Moment ist die Stimmung zu keinem Zeitpunkt der gesamten Saga; und das, obwohl sie ohnehin in ein dystopisches Panorama eingehegt ist.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Menschheit hat das Sonnensystem besiedelt, gigantische Raumschiffe befahren das All, der Mond ist eine einzige Stadt, technisch wie medizinisch ist beinahe alles möglich. Organisiert ist die Gesellschaft in einer grausamen Hierarchie, arrangiert nach verschiedenen Farben. Die Goldenen stehen an der Spitze, sie herrschen, die Roten befinden sich ganz unten, sie dienen. Darrow gehört zunächst zu ihnen. Er ist ursprünglich ein Minenarbeiter auf dem Mars, baut den Rohstoff ab, den alle brauchen. Eine ehrenvolle Aufgabe, so bekommen er, seine Familie und all die anderen Menschen in den unterirdischen Bergwerken von ihren Herrschern erzählt über Holo-Boxen. Sie seien die Vorhut, sie bereiteten durch ihren Einsatz dem Rest der Menschheit den Weg auf den Roten Planten, machten möglich, ihn mittels Terraforming bewohnbar zu machen und in eine zweite Erde zu verwandeln.

          Was sie nicht wissen: Das ist längst geschehen. Dieser Betrug und der dramatische Tod seiner Frau Eo sind der Ausgangspunkt für Darrows Reise, die in dem nun vorliegenden Band ihren Abschluss findet.

          „Tag der Entscheidung“ ist der dritte Teil der Reihe, er erscheint am 12. September in Deutschland.

          Dem erst 28 Jahre alten amerikanischen Autoren Pierce Brown ist mit der „Red Rising“-Reihe ein großartiges Gesamtwerk gelungen. Inspirationen aus ganz verschiedenen Quellen sind darin erkennbar: Eo ist eine gleichsam futuristische Antigone, die ein vollkommen sinnloses Gesetz übertritt und deswegen sterben muss – Brown selbst, dessen liebstes griechisches Drama das ist, gibt zu, dass eine Perspektive auf die Reihe die Frage ist, welche Welt Antigone aus der Sicht desjenigen wohl hinterlassen haben würde, der sie liebt und mit dem sie ihren großen Traum teilt. Die farbliche Formatierung der Menschheit ist angelehnt an Platons Politeia mit dem Unterschied, dass die „Goldenen“ in „Red Rising“ nicht meritokratisch fortbestehen, sondern ihren Status als Geburtsrecht ansehen und gewalttätig durchsetzen.

          Parallelen gibt es zu „Star Wars“ und den „Herr der Ringe“-Büchern, Einflüsse von Frank Herberts „Dune“-Reihe und Ender’s Game, Elemente schließlich auch aus dem „Herr der Fliegen“, den „Tributen von Panem“ und dem verstörenden japanischen Drama „Battle Royale“. Letztere werden sichtbar, wenn Brown im ersten Teil der „Red Rising“-Reihe ebenfalls eine darwinistische Arena inszeniert, in der sich im Grunde Jugendliche mit- und gegeneinander bewähren müssen, auch auf Leben und Tod.

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