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Nick Bostrom, Zukunftsdenker : Die Superintelligenz ist gar nicht super

Nicht besonders intelligent, aber schon schnell genug: 1997 besiegte das Programm Deep Blue Weltmeister Garri Kasparow. Bild: © Louie Psihoyos/CORBIS

Ein Transhumanismus mit menschlichen Bedenken: In Nick Bostroms Utopie von einer Zukunft in den Fängen der künstlichen Intelligenz schlägt sich der Verstand schließlich mit seinen eigenen Mitteln.

          Literaturagenten würden von einem solchen Beginn abraten: „Viele der Argumente in diesem Buch sind vermutlich falsch, und wahrscheinlich habe ich auch Überlegungen von entscheidender Bedeutung nicht berücksichtigt, womit einige oder alle meine Schlussfolgerungen ungültig wären.“ Es ist aber nicht falsche Bescheidenheit, sondern der Respekt vor seinem übermächtigen und schwer erkennbaren Gegenstand, der Superintelligenz, der den Oxforder Zukunftsdenker Nick Bostrom so demütig beginnen lässt.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Solch eine Superintelligenz ist ein Verstand, der den menschlichen in allen Belangen übertrifft. In Teilbereichen ist das längst geschehen. Computer können besser Schachspielen und Kreuzworträtsel lösen, sie verfügen bei Bedarf über ein breiteres Allgemeinwissen (Watson!), wissen mehr über das Innenleben eines Fahrzeugs als jeder Automechaniker. Und wenn einmal eintritt, was Eric Schmidt prophezeit hat, dann sagt eine Suchmaschine in Zukunft ihrem Kunden, was er sucht, und nicht umgekehrt. Kein Navigationssystem, kein Industrie- und Haushaltsroboter läuft heute ohne KI.

          Aber ein Schachcomputer kann eben nur eines: Schach. Und eine Kreuzworträtselsoftware nur: Kreuzworträtsel lösen. Eine Superintelligenz könnte beides zusammen und noch mehr, und sie hätte damit, zumindest theoretisch, die Möglichkeit, sich zu einem „Singleton“ aufzuschwingen. Bostrom meint damit eine Weltordnung, in der es auf globaler Ebene nur noch einen einzigen allmächtigen Potentaten gibt.

          Die Zeit auf Erden fließt zäh

          Von so einer Intelligenz hat Bostrom, Mitbegründer des Weltverbandes der Transhumanisten, lange geträumt. Er hat Bücher geschrieben, die sich mit der Verbesserung des IQ befassen, und man hatte damals den Eindruck, dass es ihm nicht schnell genug damit gehen könne, bis wir mit frisiertem und in Silizium verewigtem Intellekt in halber Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxien reisen. In seinem neuen Buch ist von der utopischen Energie noch einiges zu spüren. Verklungen ist die Euphorie. „Jedes Gefühl der Vorfreude wäre fehl am Platz. Bestürzung und Angst würden es eher treffen.“ Im Schicksalston schwört Bostrom die Menschheit auf ihre alles entscheidende Aufgabe ein: das heranschleichende Monster zu zähmen.

          Natürlich ist das alles spekulativ. Es bleibt offen, wie wir uns so eine Intelligenz vorzustellen haben, ob es eine Kopie des menschlichen Denkorgans, eine dem Gehirn nachgebaute oder eine rein maschinelle KI sein soll. Die Künstliche-Intelligenz-Forschung lebt seit Jahrzehnten vom verlängerten Versprechen, solch eine autonome Intelligenzbestie in absehbarer Zeit zu schaffen. Schaut man sich an, welche Probleme sie schon damit hat, ein einzelnes Neuron nachzubauen, wird mit einer Kopie des menschlichen Gehirns mit seinen über hundert Milliarden Neuronen nicht so bald zu rechnen sein.

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