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Neuer „Asterix“-Band : Kampagne in Gallien

Bild: © 2015 Les Éditions Albert René

Heute erscheint der 36. Band der Abenteuer von Asterix und Obelix. Eine erste Lektüre und eine Begegnung mit dem Texter Jean-Yves Ferri und dem Zeichner Didier Conrad.

          Orgien, Orgien, wir wollen Orgien! Im sechsunddreißigsten Asterix-Band, der am heutigen Donnerstag erscheint, kommen wir Kritiker endlich auf unsere Kosten. Rufus Syndicus, der große kleine Mann des lateinischen Literaturbetriebs, in Personalunion Verleger, Lektor und Agent, hat ganz Rom zur Buchparty in seine Villa eingeladen. Ganz Rom? Nein! Der Autor ist abwesend. In seinem Text übrigens auch, obwohl es sich, typisch Erstling, um ein autobiographisches Werk handelt. Von der eigenen Person spricht der Debütant nur in der dritten. Er ist großartig: Das könnten die Tänzerinnen auf der Orgie des Syndicus nur ins Marmorohr der Büste von Gaius Julius Cäsar flüstern. In Vertretung des Diktators nimmt der Großkritiker den Ehrenplatz auf der Liege neben dem Gastgeber ein. Während er sich Rotwein eingießen lässt, gratuliert er Syndicus zu den Lobeshymnen der Presse, deren Ton er mit seiner Besprechung im „Litterarum Mundus“ angegeben hat. Der weißhaarige Pontifex maximus des literarischen Lebens trägt die Züge des französischen Fernsehmoderators Franz-Olivier Giesbert. Kokett nimmt er den Dank des Verlegers entgegen: „Nachwuchsautoren fördert man ja gern.“

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Werbefeldzug ist so perfekt geplant wie die Kampagnen, die der Inhalt des Werkes sind. Den spröden Titel „Kommentare zum gallischen Krieg“ hat Syndicus dem Autor gegenüber als griffig gerühmt. Buchhandelstypische Übertreibungen bahnen den Weg des Eroberers. Die Nachricht vom Bestsellerautor Cäsar gelangt auch dorthin, wo er mit Waffen nichts ausrichten konnte. In der Lokalpresse von Aremorica gilt es als Sensation, dass von den „Kommentaren“ binnen weniger Tage fünfzig Exemplare abgesetzt worden sind. Die allermeisten Gallier können nicht lesen und schreiben und interessieren sich in der Zeitung nur für das Horoskop.

          „Der spinnt, der Cäsar!“

          Von „Der Papyrus des Cäsar“ sind sehr viel mehr als fünfzig Stück gedruckt worden. In einem Hotelrestaurant nahe der Frankfurter Buchmesse kredenzt der Egmont Ehapa Verlag dem Kritiker weder Rotwein noch Tänzerinnen. Köstlich unterhalten ihn stattdessen Jean-Yves Ferri und Didier Conrad, der Texter und der Zeichner des neuen Bandes, des zweiten, als dessen Autor nicht mehr Albert Uderzo ausgewiesen wird. Ferri und Conrad, beide 1959 geboren, im Erscheinungsjahr der allerersten Asterix-Episode, hatten noch nie zusammengearbeitet, als der Hachette-Verlag sie für „Asterix bei den Pikten“ rekrutierte, den ersten Band der Ära nach Uderzo. Eine große Überfahrt ist erforderlich, wenn sie für ihre Ideenskizzen dasselbe Blatt benutzen wollen, da Conrad in Kalifornien lebt. Vielleicht hat die Nötigung zur Telepathie dazu beigetragen, dass sie den Eindruck eines eingespielten Teams machen. Jedem von beiden fällt auch allerlei zum Arbeitsgebiet des anderen ein. Sie reißen gerne Witze, mit Vorliebe übereinander. Dann meint man ein listiges Flackern in ihren Augen zu sehen, den Widerschein der Wildschweinbankette am Lagerfeuer.

          Ein unzertrennliches Duo gegensätzlicher Charaktere sind die Helden des Asterix-Sagenkreises. Man könnte das Erfolgsrezept der Serie als strukturalistische Formel ausbuchstabieren: Asterix ist nicht Obelix und nichts ohne Obelix. Lustig: Ein aus Rom geflohener Landsmann, der im Dorf der Unbesiegten Asyl suchen will, fragt den Gallier, mit dem er im Wald zusammenstößt, ob er der legendäre Krieger Asterix sei, obwohl er doch für jedermann erkennbar dessen sagenhaft loyaler Freund Obelix ist. Noch lustiger: Der stürmische Schlechterwisser Polemix ist Journalist, Korrespondent der „Gallischen Revue“ in der Reichshauptstadt.

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