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Neue deutsche Literatur Die Geschichten des Erfolgs

Nirgendwo in der deutschen Bücherbranche herrscht zur Zeit so gute Stimmung wie in den Lizenzabteilungen der großen Verlagshäuser: Auf dem internationalen Markt ist neue deutsche Literatur gefragt wie lange nicht.

© ddp Vergrößern Im Ausland begehrt: Daniel Kehlmann und sein Werk

Der Schriftsteller Michael Wallner war gar nicht angereist zur Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr. Warum auch. Seine letzten drei Bücher waren nicht sonderlich erfolgreich, sein neuer Roman erscheint erst im Frühjahr. Er blieb in Berlin. Doch dann klingelte sein Telefon, und es begann - die Geschichte dieser Messe, die zugleich ein Ausdruck dafür ist, was sich zur Zeit auf dem Markt der Literatur Überraschendes ereignet. Am Telefon war sein Verleger.

Volker Weidermann Folgen:  

Er habe ein großartiges Angebot aus Frankreich für seinen Roman, ob er annehmen solle. - Ja, aber der sei doch noch gar nicht auf deutsch erschienen? - Macht nichts, es geht los. Und es ging wirklich los. „Im Zweistundentakt klingelte es, und es kamen Angebote aus immer neuen Ländern“, erzählt der 1958 in Graz geborene Wallner. „Es war ein jupiterhafter Zustand.“ Und sein Verleger Georg Reuchlein, mächtiger Verlagsleiter bei Random House und dort unter anderem für die Häuser Goldmann und Luchterhand verantwortlich, erzählt: „Die haben uns richtig die Türen eingerannt, auf der Messe.“

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Nazi sells - vor allem in Amerika

An wohl keinem Ort der deutschen Bücherbranche herrscht zur Zeit so gute Laune wie in den Verlagsabteilungen für Auslandslizenzen. Die Verleger, Agenten, Scouts, Autoren, Lizenzabteilungsleiter sind sich einig: Die Erfolge von heute wären vor zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen. Und Wallner ist ja nicht der einzige. Wenn das so wäre, hätte man schnell eine Erklärung bei der Hand, denn die Geschichte seines Buches „April in Paris“ klingt wie die klassische Auslandserfolsgeschichte: deutscher Soldat im Zweiten Weltkrieg verliebt sich in französische Resistance-Kämpferin und schwankt nun zwischen Pflichtgefühl und Liebe.

Bernhard Schlink Literaturexport © picture-alliance / dpa/dpaweb Vergrößern Schlink: Schaffte es als erster deutscher Romanautor auf Platz eins in Amerika

Und schon denkt man an den größten deutschen Bucherfolg in Amerika nach dem Krieg, den „Vorleser“ von Bernhard Schlink, mit seiner Mischung aus Kulturgläubigkeit, deutscher Barbarei, Rührseligkeit und Liebe, den Oprah Winfrey 1999 als ersten deutschen Roman auf Platz eins der amerikanischen Bestsellerlisten katapultierte. Und natürlich ist da was dran. Man muß sich nur einmal ansehen, wie die amerikanische Ausgabe des wundervoll sanft und staunend-fassungslos geschriebenen Buchs von Uwe Timm „Am Beispiel meines Bruders“, die Geschichte seines längst verstorbenen Bruders, der bei der SS gewesen war, gestaltet ist: Stahlhelm mit SS-Runen in Großaufnahme, während die englische Ausgabe ein etwas zurückhaltenderes Kriegsbild zeigt und die deutsche ganz in Weiß gehalten wurde. Nazi sells. Vor allem in Amerika, und das bleibt wohl auch so.

„Unendlich viele Angebote liegen noch vor“

Aber das ist bei weitem nicht alles. Von dem internationalen Erfolg des neuen Romans von Daniel Kehlmann, „Die Vermessung der Welt“, war schon vor der Messe viel die Rede. In dreizehn Länder wurde der inzwischen verkauft, „unendlich viele Angebote liegen noch vor“, sagt sein Verlag. Und Nazis kommen in diesem historischen Abenteuerroman des deutschen Geistes zur Zeit der Weimarer Klassik nicht vor. Und auch andere literarische Nicht-Nazi-Bücher aus Deutschland sind international begehrt.

Ingo Schulzes großer neuer Roman aus Wendezeiten, „Neue Leben“, ist, trotz altmodischer Briefromanform und obwohl es in dem deutschen Provinzstädtchen Altenburg spielt, international sehr gefragt. Und obwohl von Ingo Schulze lange nichts zu hören war und es eine ganze Weile zurückliegt, daß die Zeitschrift „New Yorker“ ihn zu einem der sechs besten jungen europäischen Autoren kürte. „Alle haben sich an ihn erinnert“, heißt es im Berlin-Verlag.

Der Weltmarkt des Buches ist undurchschaubar

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Veröffentlicht: 13.11.2005, 18:12 Uhr